Die Entsorgung von Abfällen aus der Atomwirtschaft bereitet verantwortungsbewußten Zeitgenossen zu Recht Kopfschmerzen. Sollen doch nachfolgende Generationen und auch die Natur keinen Schaden davontragen. Daß sich letztere diesbezüglich auch nicht immer vorbildlich verhält, zeigt das Beispiel natürlicher Atomreaktoren.Die Abweichung war winzig - ganze drei tausendstel Prozent. Doch der Unterschied in den Meßwerten ließ die Wissenschaftler stutzen. Die Uranprobe aus den Oklo-Minen in Gabun (Westafrika) enthielt einen Hauch zuwenig vom Isotop U 235. Das konnte eigentlich nicht sein. Bei weiteren Proben war die Abweichung vom natürlichen Urangehalt sogar noch größer - so als ob der Kernbrennstoff schon einmal in einem Reaktor abgebrannt wäre. Wissenschaftler aus allen Teilen der Welt machten sich 1972 über die Rätsel der Oklo-Minen Gedanken. Von vielen Theorien blieb nur eine übrig: Vor rund zwei Milliarden Jahren waren in Afrika durch geologische Zufälle ein oder mehrere natürliche Kernreaktoren entstanden. - Die Natur hatte diese Technik lange vor den Menschen erfunden. Flußwasser als Moderator Im Prinzip ist ein Kernreaktor einfach aufgebaut: Es muß spaltbares Material in hinreichender Dichte vorhanden sein und ein sogenannter Moderator, der die Neutronen auf die für eine Kernspaltung nötige Geschwindigkeit abbremst. Der Kernbrennstoff entsteht heute durch Anreicherung des Urans, wobei der spaltbare Anteil erhöht wird. Vor zwei Milliarden Jahren war der Anreicherungsgrad noch von Natur aus hoch genug. In den Flußmündungen der Region Oklo wurde das Material zufällig durch ein Wechselspiel von Erosion, Ablagerung und Faltung des Untergrunds an einem Punkt konzentriert. Flußwasser drang durch Spalten in die Brennstoffpakete ein und wirkte als Moderator. Tausende Jahre Wärme Einmal in Betrieb, verhielten sich die prähistorischen Reaktoren wie moderne Leichtwasser-Reaktoren: Wurde die Reaktion zu heftig, verdampfte ein Teil des Wassers, und die Kettenreaktion ging zurück, weil der Moderator fehlte. So pendelte sich die Energieerzeugung wieder ein. Die dabei entstehenden Spaltprodukte - darunter 2 Tonnen Plutonium 239 - sind in den vergangenen 2 Milliarden Jahren kaum weitergewandert - eine interessante Erfahrung für den Bau von Endlagern.Auf einer Fläche von etwa 1 000 Quadratmetern wurden Temperaturen zwischen 280 C und 400 C erzeugt. Damit war die Leistung der natürlichen Kernreaktoren zwar tausendfach geringer als die heutiger Anlagen zur Stromerzeugung. Dafür dauerte die Energieabgabe aber einige hunderttausend Jahre an. +++