Der 51jährige SPD-Politiker Gerd Wartenberg ist neuer Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten. Bevor er Stellvertreter der Berlin-Bevollmächtigten beim Bund, Hildegard Boucsein (CDU), wurde, mußten in der Großen Koalition erst Unstimmigkeiten über Kompetenzen und Aufgaben ausgeräumt werden. Dagmar von Bracht sprach mit dem Staatssekretär über seine Rolle.Berliner Zeitung: Hatten Sie sich die Rollenverteilung nicht anders, nämlich gleichberechtigt, vorgestellt?Gerd Wartenberg: Ich bin kein stellvertretender Staatssekretär. Es gibt zwei gleichberechtigte Staatssekretäre, aber es gibt nur einen Bevollmächtigten. Deshalb bin ich stellvertretender Bevollmächtigter. Wir vertreten uns gegenseitig. Es gibt nur eine Ausnahme, die Bevollmächtigten-Runde am Mittwoch. Da gibt es keine Stellvertreter.Was wird denn in dieser "Geheimrunde" verhandelt?Das ist keine Geheimsitzung. Die Bevollmächtigten gehen zum Beispiel die Tagesordnung der Bundesratssitzungen durch. Daß ich dort nicht vertreten bin, behindert mich nicht.Was sind genau Ihre Aufgaben?Wir sind nicht nur eine Public-Relations-Abteilung für das Land, sondern organisieren auch kulturelle Veranstaltungen, unter anderem das Laubenpieperfest. Wir führen Gespräche über alles, was an Gesetzen in Arbeit ist und an Vorschlägen dazu aus den Ländern kommt. Unsere Aufgabe ist, abstimmungsfähige Entscheidungen im Bundesrat hinzukriegen, in denen sich beide Koalitionspartner wiederfinden.Sie gelten auch als "Wachhund" der SPD in der Senatskanzlei, der den Partner CDU kontrollieren soll.Ich bin kein Wachhund. Jedes Land muß sich optimal einbringen. Wenn bei bestimmten Problemen die Linie der A- und B-Länder festgelegt wird, kann ein CDU-Bevollmächtigter eben nur zu den Abstimmungsrunden der CDU-Länder gehen und der SPD-Bevollmächtigte zu den SPD-Ländern. Das machen die anderen Bundesländer auch so.Vor einem Jahr sind Sie als Bundestagsabgeordneter aus der aktiven Politik ausgestiegen. Warum die Rückkehr nach Bonn?Ich war 20 Jahre lang im Geschäft. Da hatte ich das Bedürfnis nach einer Atempause und wollte etwas ganz anderes machen. Ich habe nicht damit gerechnet, daß ich noch mal in die Politik zurückkehre. Ich bin angesprochen worden nach dem Motto ,wer kennt sich in Bonn aus?' Ich kenne die Leute und habe die Mechanismen drauf. Das war der Punkt. Nach einem Jahr hat man wieder mehr Kraft und mehr Lust.Sie waren Innen- und Baupolitiker. Was reizt Sie am neuen Posten?Reizvoll ist, daß sich das Kräftespiel zwischen den Parteiblöcken sehr stark über die Sacharbeit im Bundesrat ausdrückt und daß dort ein politischer Hebel ist. Die Bund-Länder-Schiene ist ein Feld, auf dem richtig Politik gemacht wird - manchmal mehr, als in Bundestagsausschüssen möglich ist. +++