Dem Kino hat Gerhard Hussock viel zu verdanken, nicht zuletzt seine Frau. Sie ist die Tochter eines Vorführers im "Forum-Filmtheater" - dort arbeitete auch Hussock. Der Spandauer, heute Betreiber des "Wichern-Kinos", kennt wie kaum ein anderer das Auf und Ab der Filmtheater-Branche in der Havelstadt.Schon als Junge war Hussock, 1939 in Spandaus Neustadt geboren, ein Kinofan - das hat sich seitdem nicht geändert. Als Lehrling begann er, seine Liebhaberei erstmals zu einer Nebenbeschäftigung zu machen. Wenn seine Schlosser-Kollegen in den Feierabend gingen, hielt es Hussock nicht lang zu Hause. Im "Tivoli" am Walldürner Weg16, das nach 15jährigem Bestehen 1966 dem Bau von Garagen wich, fing er in den fünfziger Jahren als Umroller an: "Ich mußte die abgespulte Filmrolle herausnehmen und den Vorführern eine neue geben." Später wechselte Hussock ins "Forum". Das 810 Plätze zählende Filmtheater, 1956 nach Plänen des renommierten Kino-Architekten Pierre de Born an der Carl-Schurz-Straße 49 erbaut, galt damals als das Nonplusultra der Kinokultur. "Die Leinwand war 18 Meter breit und acht Meter hoch, riesig", so Hussock, "für das ,Forum` am Wochenende Karten zu bekommen, war schwer. Oft mußten wir Stühle in den Saal stellen." Doch Ende der sechziger Jahre ging es immer mehr bergab. "Die Kinos gingen den Bach 'runter", erinnert sich der Vorführer, "das Fernsehen setzte sich immer mehr durch." Als sich nach der Schließung 1971 ein Bulldozer durch die Wand des "Forums" fraß, hat Hussock geweint. Er wechselte ins "Savoy", doch dort war die Lage kaum besser: "Manchmal kamen gerade 15 Leute." Mit "Zombie"-Filmen versuchte der Betreiber den Abstieg aufzuhalten - "danach war oft das ganze Kino vollgekotzt". Vergebens. Doch 1983 war Schluß, die Vermietung an einen Supermarkt war lukrativer. Inzwischen Hauswart der Wichern-Kirchengemeinde, hat Hussock dort längst ein eigenes Kino. Sicher: Einst habe es zu viele Kinos im Bezirk gegeben. Dennoch: Auch die "Müdigkeit der Spandauer", so Hussock zornig, habe zum Kinosterben beigetragen. Ihr sei es zu verdanken, "daß hier inzwischen um 20 Uhr der Mond mit der Stange nach oben geschoben wird".