Das hatten sich die Ministerpräsidenten der Länder schön ausgemalt: Mit einem Glücksspielstaatsvertrag wollten sie private Anbieter von Lotto- und Sportwetten abservieren, um das Milliardengeschäft allein betreiben zu können. Doch jetzt hat ihnen der Europäische Gerichtshof einen Strich durch die Rechnung gemacht.Vorgeblich geht es ihnen um die Bekämpfung der Spielsucht. Denn mit einem staatlichen Monopol, so argumentieren sie, ließe sich exzessives Spielen leichter eindämmen. Doch das stimmt nur bedingt: Fakt ist, dass heute jeder in staatlichen Lottoannahmestellen Einsätze in unbegrenzter Höhe tätigen kann - und das auch noch völlig anonym. Bei den privaten Betreibern muss man sich dagegen anmelden. Wer hier exzessive Einsätze tätigt, fällt über kurz oder lang auf und kann im Zweifelsfall gesperrt werden.Richtig ist allerdings auch, dass das Suchtpotenzial von Sportwetten, wie sie von privaten Firmen wie Bwin angeboten werden, nicht unterschätzt werden darf: Denn so- genannte Live-Wetten verführen viele Spieler dazu, Verluste sofort durch neue Einsätze wieder ausgleichen zu wollen. So mancher hat da schon den Überblick verloren und am Ende viel mehr Geld verspielt, als er eigentlich einsetzen wollte.Das Problem ist nur: Ein Verbot würde auf Dauer nichts bringen. Müssen Anbieter wie Bwin ihr Geschäft einstellen, werden andere an ihre Stelle treten, die nur im Internet agieren und ihren Firmensitz auf irgendeiner Inselrepublik haben. Dagegen sind die Justizbehörden machtlos. Besser wäre es daher, Bwin & Co für legal zu erklären aber hoch zu besteuern. Mit den Einnahmen könnten dann zum Beispiel Projekte zur Bekämpfung der Spielsucht finanziert werden. Seite 12