Die Firma "Verkaufsförderung und Messen in Berlin" (VMB) hat bei der Staatsanwaltschaft einen Strafantrag gegen Spandaus FDP-Vorsitzenden, den Abgeordneten Wolfgang Mleczkowski, gestellt. Das Unternehmen wirft dem Politiker vor, als VMB-Geschäftsführer unbefugt eine Parteispende abgezweigt zu haben. Auch von geschäftsschädigendem Verhalten ist die Rede.Achtung, Gegendarstellung am 23.9.95"Bei der Überprüfung von Kontoauszügen stellten wir fest, daß Herr Mleczkowski einige Tage vor seinem Ausscheiden aus unserer Firma einen Scheck in Höhe von 5 000 Mark aus der Portokasse an die FDP ausgestellt hatte", erklärte VMB-Justitiar Wolfgang Textor. Fristlose Kündigung Nach Auskunft des VMB-Projektdirektors Norbert Gillmeister, einem Parteikollegen Mleczkowskis, war der Spandauer FDP-Vorsitzende bis vor einigen Monaten Geschäftsführer des Messe-Unternehmens an der Hasenheide 63. Die Gesellschafter hatten Mleczkoswski am 21. Dezember vergangenen Jahres fristlos entlassen. Gillmeister begründete seine Kündigung mit aufgetretenen "finanziellen Unregelmäßigkeiten".Dazu gehörte ein von Mleczkowski ausgestellter Scheck in Höhe von 80 000 Mark an die "Partner Werbeagentur", obwohl "so gut wie keine Rechnungen" vorgelegen haben sollen. "Zur Auszahlung kam es allerdings nicht, weil Herr Mleczkowski im Handelsregister nicht als Geschäftsführer eingetragen war", erzählte Justitiar Textor.Der Jurist wirft Mleczkowski außerdem vor, eigenmächtig einen Auftrag für die Ausrichtung einer Messe im Kronprinzenpalais abgesagt zu haben, um ein anderes Unternehmen zu begünstigen. "Auch aus einem weiteren Projekt an der Ostsee im März diesen Jahres wurde nichts", berichtete VMB-Projektdirektor Gillmeister. Der Auftrag ging an die "PriMe - Private Messen in Berlin GmbH", die am 3. Februar 1995 gegründet worden ist. Dessen Geschäftsführer, Johann-Christian M., half zuvor bei der VMB aus. "Er hat bei uns die elektronische Datenverarbeitung bedient und dadurch Zugriff zu Kundenkarteien gehabt", so Gillmeister. Justitiar Textor erfuhr durch Einsicht ins Handelsregister außerdem, daß Mleczkowski zu den Gründungsmitgliedern der "PriMe" gehört habe. Weitere Ermittlungen M. wäre Nachrücker Mleczkowskis im Abgeordnetenhaus. Gegen den ehemaligen Journalisten ist am 22. Mai dieses Jahres Anklage wegen des Verdachts auf sexuellen Mißbrauchs minderjähriger Jungen erhoben worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Spandaus FDP-Chef seit fast einem Jahr wegen des Verdachts der "Förderung sexueller Handlungen an Minderjährigen" - ihm wird vorgeworfen, von den Treffen Ms. in Mleczkowskis Privatwohnung gewußt zu haben. Dem Politiker werde außerdem ein Verstoß gegen das Urhebergesetz vorgeworfen, erklärte Justiz-Sprecher Rüdiger Reiff.Der Spandauer FDP-Chef war gestern bis Redaktionsschluß nicht zu erreichen. Er wird erst heute von einer Geschäftsreise aus München zurückerwartet.

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