Montag ist Großkampftag an der Laubsack-Annahmestelle auf dem Recyclinghof in der Neuköllner Gradestraße. "Da kommen manche zum Teil mit 200 Säcken, da gehen uns manchmal sogar die Container aus", erzählt Lothar Schwalm. "Die sammeln scheinbar Tag und Nacht", sagt der Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR). Übers Wochenende fällt da einiges an.Hauptsächlich Polen, Rumänen, Ukrainer und Türken fahren bei ihm mit alten VW-Bussen oder Lieferwagen vor. An Bord haben sie gefüllte Laubsäcke. Jeder ist einen Euro wert. Gegen Quittung bekommen die Einlieferer bis zu 20 Euro bar auf die Hand, wer mehr Säcke abliefert, bekommt das Geld überwiesen. Schwalm hat beobachtet, dass manche Einlieferer zehnmal pro Tag mit je 20 Säcken ankommen und somit 200 Euro kassieren. Ein gutes Geschäft."Die beiden zum Beispiel, die waren heute schon mehrmals da", sagt er und zeigt auf zwei Männer mit dunklen Haaren und dunklen Augen, die nur gebrochen Deutsch sprechen. 37 Säcke laden sie aus ihrem alten weißen VW-Bus. Wo sie die vielen Säcke herhaben, wollen sie nicht sagen. Viele Leute, die wenig Geld haben, sammeln Pfandflaschen, um sich ein Zubrot zu verdienen. Inzwischen haben die Findigen auch die Laubsäcke als Einnahmequelle entdeckt. Sie erkundigen sich bei der BSR nach den Abholterminen und kommen ihr dann mit dem Einsammeln zuvor.Die BSR verkauft ihre Laubsäcke für 3 Euro an Leute, auf deren Grundstück viel Laub und Gartenabfälle anfallen, die aber keinen Komposthaufen oder keinen Platz mehr in der Bio-Tonne haben. Die vollen Säcke kann man an den Straßenrand stellen, die Abholung durch die BSR ist im Preis inbegriffen. Wer seinen Sack selbst auf dem Recyclinghof abliefert, erhält einen Euro zurück - das machen sich die Sammler zu nutze."Immer wenn wir einen Sack vor die Tür stellen, ist der kurz darauf weg", erzählt ein 45-jähriger Familienvater aus Hermsdorf. Seine Frau hat beobachtet, dass die Säcke auf ein Grundstück in der Nachbarschaft gebracht werden, wo sie sich vor einer Garageneinfahrt stapeln.Die meisten Säcke landen in der Gradestraße oder auf dem Recyclinghof in der Lengeder Straße in Reinickendorf, denn nur auf diesen beiden Höfen kann man mehr als fünf volle Laubsäcke abgeben. Lothar Schwalm berichtet, dass es neben Vereinen und Privatleuten immer mehr Sammler gebe, die das schon professionell betreiben. "Das spricht sich langsam rum", sagt er. "Es gibt welche, die hatten anfangs einen Lkw, jetzt haben sie vier", sagt Schwalm.Normann Kramer, BSR-Straßenreiniger in Köpenick, sagt, dass vor allem an Hauptstraßen weniger Laubsäcke von der BSR eingesammelt werden, weil hier Laubjäger unterwegs sind. Die BSR-Leute sind aber noch nicht arbeitslos geworden. "Es stehen natürlich immer noch Laubsäcke an den Straßen, die wir einsammeln müssen, vor allem wenn sie schwer sind", sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. Das liegt vielleicht auch daran, dass viele Gartenbesitzer gar nicht wissen, dass sie einen Euro zurückbekommen, wenn sie die Säcke selbst auf dem Recyclinghof abgeben. Das verrät die BSR auf ihrer Internetseite nämlich nur ihren Geschäftskunden. Auf den Seiten für private Haushalte fehlt der Hinweis.------------------------------Foto: Objekt der Begierde: Die gefüllten Laubsäcke der BSR bringen bares Geld.