Das Stadtgeschichtliche Museum Spandau, der Kreis der Freunde und Förderer des Museums und die Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung bereiten für den Mai 1997 in Spandau eine wissenschaftliche Tagung zum Thema "Graf Rochus Guerini zu Lynar und der Festungsbau in Spandau" vor. Kurz vor Weihnachten jährte sich der Todestag des berühmten Festungsbaumeisters zum 400. Male. Er starb am 22. Dezember 1596 in seinem Haus in Spandau.Lynars großartiges Bauwerk, die Zitadelle von Spandau ist uns bis heute erhalten geblieben. Neben seinem Zeitgenossen, dem Straßburger Festungsbaumeister Daniel Speckle war Lynar der bedeutendste Festungsbauingenieur des 16. Jahrhunderts in Deutschland.Lynar wurde am 25. Dezember 1525 in der Toscana geboren. Am Hof der Medici erhielt er eine umfangreiche Ausbildung. Bereits als 14jähriger ging er nach Ferrera, um das Kriegshandwerk zu erlernen. Auf Empfehlung seiner Gönner gelangte er nach Frankreich und wurde Kammerjunker des Kronprinzen und späteren Königs Heinrich II. von Frankreich. Lynar diente unter vier französischen Königen am Hof sowie im Felde. 1552/53 war er bei der Belagerung von Metz dabei. Auch die Stadt Diedenhofen wurde mit seiner Hilfe eingenommen, wobei er ein Auge verlor. Mit der Projektierung einer neuen, größeren Festung wurde Lynar beauftragt. Es war sein erstes selbständiges Festungswerk.Bereits 1562 war unter seiner Anleitung die Anlage soweit fortgeschritten, daß ein Kommandant ernannt werden konnte. Für den französischen Hof ging der sprachgewandte Baumeister auf Gesandschaftsreisen an die Höfe von Sachsen, Brandenburg und Hessen. Noch in Metz wohnhaft trat der Katholik zum hugenottischen Glauben über und setzte sich an die Spitze eines Aufstandes gegen die Katholische Kirche. Der Aufstand scheiterte, und Lynar mußte mit seiner Frau nach Heidelberg flüchten. Er trat in pfälzische Dienste und wurde Oberst und Kriegsrat. Seine Tätigkeit beim Pfalzgrafen Friedrich dem Frommen war von kurzer Dauer.Schon 1569 erhielt er eine Bestellung nach Dresden. Sein neuer Dienstherr Friedrich August von Sachsen machte ihn zum Oberbaumeister bei der Neubefestigung von Dresden. Nach einem Elbehochwasser, das einen in Bau befindlichen Damm zu zerstören drohte, bewies Lynar seine außerordentlichen Fähigkeiten als Wasserbaumeister. Es gelang ihm, Schaden von der Stadt abzuwenden. Er wurde zum unersätzlichen Berater und Helfer seines kurfürstlichen Herrn. Erst in Dresden konnte Rochus zu Lynar seine vielseitigen Kenntnisse voll zur Geltung bringen.Die sächsischen Pulvermagazine wurden von ihm revidiert und dabei die festgestellten Mängel beseitigt. Bei der Lieferung von Bruchsteinen aus Pirna wurden von den Schiffern falsche Mengen abgerechnet, worauf Lynar die Schiffe sichten ließ. Er besuchte die Eisenhämmer im Erzgebirge und berichtete dem Kurfürsten von dem schlechtem Eisen dort. In forstwirtschaftlichen Angelegenheiten schlug er den Bau von Schleusen an bestimmten Bächen vor, um das Holz besser zu flößen. Sein Vorschlag, an der Weißeritz (Dresden) vier Mühlen zu bauen, wurde vom Kurfürsten genehmigt. Auch mit dem Guß von Geschützen befaßte sich der Baumeister. Nach seinen Entwürfen wurden zwölf schwere Stücke in Freiburg gegossen. Während im Winter die Arbeiten an den Dresdner Festungswerken ruhten, prägte er Münzen mit dem Konterfei seines Landesherrn. Er stand im höchsten Ansehen bei Friedrich August von Sachsen und wurde 1571 zum "Obristen Artalay", sowie zum "Zeug- und Bawmeister" ernannt. Die Bauleitung für die Schloßbauten von Freiburg und Augustusburg wurden ihm übertragen. Neid und Mißgunst der Unterbaumeister sorgten für Spannungen zwischen dem Kurfürsten und seinem so eifrig tätigen Oberbaumeister. Die Fehler und Versäumnisse seiner Meister wurden Lynar angelastet.Da der sächsische Kurfürst zu einem klärenden Gespräch mit seinem Oberbaumeister nicht bereit war, bat Lynar um seinen Abschied. Erst da erkannte Friedrich August, wie wichtig dieser universal gebildete Mann für ihn war und erneuerte die Bestallung Lynars zum Oberbaumeister von Sachsen. Doch seine Widersacher am Hof gaben keine Ruhe. Manfred P. Schulze (Wird fortgesetzt) +++