Um sich gewisse Aufmerksamkeit zu sichern, werden geschmackliche Grenzen gern überschritten. So auch in Udine. Im Nordosten Italiens verköstigt die Kellerei Lunardelli seit 1995 ihre Kunden mit Weinen, deren Etikette beispielsweise Mussolini, Marx, Stalin und Hitler zeigen. Doch zurück nach Deutschland: Peter Beyer und seine drei Begleiterinnen wollten sich einen vergnüglichen Abend im Berliner Kabarett Kneifzange machen. Gar nicht komisch fanden sie es, dass sie an der Bar auf einen solchen "Führerwein" stießen.Zwischen Honecker-Postkarten und Merkel-Karikaturen hatte am Tresen auch eine Merlot-Flasche mit Hitler-Konterfei Platz gefunden. Nein, das war zuviel. Das Kabarett ist zur Untermiete im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Friedrichstraße. "An diesem Ort passt es gar nicht", dachte Monika Beyer, die ihren Sohn begleitete, "gerade die Russen haben doch besonders unter Hitler gelitten." Am nächsten Tag schrieb Peter Beyer eine Beschwerde an die Leitung des Russischen Hauses. Monika Beyer erstattete Anzeige bei der Polizei.Alessandro Lunardellis "Historische Linie" ist in vielen italienischen Supermärkten zu erwerben - und ein absoluter Renner. Deutsche Touristen greifen besonders häufig zu Flaschen mit Adolf Hitler-, Heinrich Himmler- oder Eva Braun-Konterfei. Mehr als einmal mühte sich die Bozener Staatsanwaltschaft bereits, Lunardellis fragliche Etiketten zu verbieten. Doch das Gericht entschied jedes Mal im Sinne des Winzers. In Deutschland gilt folgende Regel: Die Lunardelli- Flaschen einzuführen ist legal - jedoch nur zum persönlichen Gebrauch. Sind sie in der Öffentlichkeit zu sehen, greift Paragraph 86a des Strafgesetzbuches, der die Strafe für das "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" regelt.Die leere Flasche sei ein Urlaubsmitbringsel, das ihm ein Gast geschenkt hätte, rechtfertigte sich der Kneifzangen-Barkeeper. Er hätte daraus ja nicht ausgeschenkt. Die Aufregung der Beyers kann er nicht verstehen. Und schon gar nicht lasse er sich "als Faschist beschimpfen". Der Kneifzangen Direktor Rumpf schrieb an Peter Beyer, er bedauere, dass sich ihrer beider Auslegung, wie weit ein Kabarett in seiner Provokation gehen dürfe, offenbar stark voneinander unterscheide. Die Polizei nahm die Führerweinflasche schließlich mit.Alternativ hätte man sich dem fragwürdigen Hitler-Humor auch kabarettistisch stellen und die strittige Flasche einfach fallen lassen können. "Hitler kaputt: Kabarett im Russischen Haus verklagt Zuschauer wegen Sachbeschädigung an Weinflasche mit Führer Etikett": Über solch eine Anzeige hätten wir lieber berichtet.