Mönch Gunaratana friert. Unter der orangen Kutte trägt er einen weißen Pullover. Selbst ein milder Winter ist für ihn fürchterlich. In Sri Lanka gibt es solche Winter nicht. In Sri Lanka, dem früheren Ceylon, hat Gunaratana die letzten 82 Jahre lang gelebt. Vor einem Jahr wurde er nach Berlin geschickt. Jetzt sitzt er im Buddhistischen Haus in Frohnau und lächelt. Der Mönch spricht nur ein paar Brocken Englisch. Die seltenen Besucher verstehen kein Singhalesisch. Gunaratana stört die Leere im Haus nicht. Er warte aufs Nirwana, sagt er. "Direkt von Berlin ins Nirwana, warum nicht?" Der Mönch lacht.Dabei stehen die Chancen gut, dass Gunaratana vor dem Nirwana das heimatliche Sri Lanka wiedersieht. Die Trägergesellschaft des Hauses, die German Dhammaduta Society (GDS), will das Haus und den benachbarten buddhistischen Tempel schließen. Haus und Garten, die unter Denkmalschutz stehen, sollen verkauft werden. Diese Informationen haben Mitglieder des "Fördervereins des Buddhistischen Hauses" aus Sri Lanka mitgebracht, aus einem Gespräch mit dem Vorsitzenden der GDS.Kaum noch BesucherIn Sri Lankas Hauptstadt Colombo fallen alle Entscheidungen, die das Buddhistische Haus in Berlin betreffen. "Für jeden Kleinkram müssen wir Faxe dorthin schicken", sagt Hannelore Enßlin, Vorsitzende des Fördervereins. Und Colombo, glaubt sie, hat kein Interesse mehr an der Dependance in Deutschland.Vor vier Jahrzehnten sah das anders aus. Damals gab es große Pläne für die Villa, die der Arzt und Schriftsteller Paul Dahlke 1924 als Buddhistisches Haus errichtet hatte. Dahlkes Erben verkauften die Villa am Edelhofdamm an die eigens für diesen Zweck gegründete German Dhammaduta Society, übersetzt: Deutsche Gesellschaft zur Verbreitung der Buddha-Botschaft. Doch von den Plänen, von Frohnau aus die buddhistische Botschaft in Deutschland zu verbreiten, spricht heute niemand mehr. Während die meisten buddhistischen Tempel in Berlin immer größeren Zulauf haben, kommt kaum jemand nach Frohnau. Hannelore Enßlin: "Zu dem äußeren kommt der innere Verfall."Wo früher drei bis vier Mönche aus Sri Lanka für spirituelles Leben sorgten, sind es seit Jahren nur noch zwei: außer Gunaratana noch der Abt des Tempels, Punyaratana. Aber der kümmert sich nur um geistliche Aufgaben. Eigentums- und Verwaltungsfragen gehen ihn nichts an.In diese Bresche springt der Förderverein. Er will, dass die GDS mit der Renovierung des vernachlässigten Anwesens beginnt. Geld dafür müsste vorhanden sein: Einen Randbereich des Grundstücks hat die GDS verkauft. Dort soll noch in diesem Monat mit dem Bau von Eigenheimen begonnen werden. Hannelore Enßlin schätzt, dass die GDS 800 000 Mark durch den Verkauf eingenommen hat, "doch davon ist nicht ein Pfennig in das Buddhistische Haus geflossen".Eine Renovierung von Haus und Garten würde viel teurer. Ein Gutachten des Bezirksamts Reinickendorf kommt auf 2,3 Millionen Mark. Eine erschreckend hohe Summe für die Verantwortlichen in Colombo, schätzt Hannelore Enßlin. Sie hält es trotzdem für möglich, das Geld aufzutreiben und das Buddhistische Zentrum am Leben zu erhalten. Sponsoren werden benötigt und ein tüchtiger deutscher Verwalter. Aber bislang, sagt Enßlin, "wurde jeder deutsche Einfluss hier herausgehalten".