Sie ist in der Londoner Partyszene zu Hause und vor allem dafür bekannt, reich zu sein. Fotos von Jemima Khan, 36, finden sich regelmäßig in Illustrierten und Klatschblättern. In dieser Woche jedoch konnte die Öffentlichkeit eine neue Seite der Milliardärin kennenlernen. Sie gehört wie der Regisseur Ken Loach zu den Prominenten, die für die Kaution des Wikileaks-Gründers Julian Assange aufkommen wollen. Jemima Khan hat 20 000 Pfund angeboten.Was treibt eine Upper-class-Berühmtheit dazu, so etwas zu tun? Nun, sie kennt die Welt der Medien schon länger auch von der anderen Seite. Ihr Vater Sir James Michael "Jimmy" Goldsmith hat nicht nur an der Börse Milliarden verdient, er versuchte sich auch als Medienmogul. Jemimas Bruder Zach Goldsmith, derzeit Abgeordneter der Konservativen, war Chefredakteur der Umwelt-Zeitschrift The Ecologist. Und Jemima Khan hat selbst für britische Zeitungen geschrieben. Die Unicef-Botschafterin engagiert sich auch politisch und karitativ, für Kinder etwa oder für nachhaltige Landwirtschaft. 2001 gründete sie ein Flüchtlingshilfswerk für Afghanistan, das ihren Namen trägt und Unterkünfte, Kleidung und Nahrung für ein Lager im pakistanischen Peshawar bereitstellt.Pakistan ist sie verbunden, seit sie 1995 den früheren Kricket-Star Imran Khan heiratete. Die von großem Medienrummel begleitete Beziehung endete 2004. Nach der Scheidung ging Jemima Khan zurück nach Großbritannien. Drei Jahre lang war sie mehr oder weniger mit dem Schauspieler Hugh Grant zusammen. Und doch hat die Ehe mit Imran Khan ihr Leben nachhaltig geprägt. Zehn Jahre lebte sie in Pakistan, sie konvertierte zum Islam, lernte Urdu und trug die traditionelle Tracht. Sie hat keinen Zweifel daran gelassen, das Land und seine Bewohner ins Herz geschlossen zu haben. Wahrscheinlich ist dies der Schlüssel, um ihr Interesse an der Wikileaks-Affäre zu verstehen. In einem Artikel für den Guardian schilderte sie am Wochenende ihr Unbehagen darüber, dass sich die USA in Pakistan eingerichtet hätten. Und sie schrieb: "Wenn Wikileaks eine terroristische Vereinigung sein soll, wie der New Yorker Kongress-Abgeordnete Pete King behauptet, und wenn ihr Gründer Julian Assange wegen Spionage verurteilt werden sollte, dann ist die Zukunft des investigativen Journalismus überall in Gefahr - und somit unser Recht als Bürger, die Wahrheit zu erfahren."Politik Seite 9