Ein Neubau wird die Grünanlage an der Uhlandstraße, Ecke Wilhelmsaue verdrängen. Der Bezirk hat das Grundstück schon Ende 1997 für fünf Millionen Mark an die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau verkauft. Und die will auf das Areal 56 Eigentumswohnungen mit einer Ladenzeile im Erdgeschoß setzen."Baubeginn ist im kommenden Frühjahr. Ende 1999 soll das Haus bezugsfertig sein", sagt Gesobau-Sprecherin Elke Spohn. Um die Vermarktung der Immobilie macht sich die Gesellschaft keine Sorgen: "Die Lage ist einmalig", schwärmt Spohn. Direkt hinter dem Haus schließe sich der Volkspark mit vielen Freizeitmöglichkeiten an. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei optimal: Außer der U-Bahn-Linie 7 führten auch Buslinien zum Kiez.Anwohner und die Fraktion der Bündnisgrünen in der Bezirksverordnetenversammlung hatten gegen die Bebauung der Grünfläche protestiert. Während die Anwohner auf die Erhaltung der Grünfläche pochen, bezweifeln die Bündnisgrünen, daß die geplanten Wohnungen Abnehmer finden werden. Das Grundstück hat eine interessante Geschichte, ein Park war es nicht immer. Der Heimathistoriker Horst Hoppe, der sich mit der Vergangenheit des Bezirkes Wilmersdorf beschäftigt, fand heraus, die Ritter von Wilmersdorf hätten dort bis zum Dreißigjährigen Krieg ihren Gutssitz gehabt. Danach habe das kurfürstliche Mühlenamt den Besitz übernommen. 1889, hat Hoppe herausgefunden, wurde dort ein großer Saalbau errichtet, der Viktoriagarten, das vierte große Ausflugslokal am ehemaligen Wilmersdorfer See. Die Gaststätte mit ihrem Festsaal für 2000 Personen wurde zum wichtigsten Veranstaltungsetablissement am Ort. Nach der Schließung im Ersten Weltkrieg das Lebensmittelamt bezog die Räume öffnete das Lokal erst 1921 wieder. Schon von 1929 an fanden im Festsaal Großveranstaltungen der NSDAP statt. Goebbels und Göring hielten Kundgebungen ab. Die Bomben des Zweiten Weltkriegs ließen indes kaum mehr etwas vom Viktoria-Garten übrig. Die Überreste wurden schließlich in den 60er Jahren für den Ausbau der heutigen Uhlandstraße abgerissen.Noch nicht endgültig eingeplant ist der "Marterpfahl", wie die Wilmersdorfer die "Sonnenmäler" der Berliner Künstlerin Susanne Riée nennen. Die Plastik, die Riée ursprunglich für den Hohenzollernplatz geschaffen hatte, steht seit 1969 in der Grünanlage. "Wir haben zwar noch keine endgültigen Pläne für die Gestaltung der Außenanlage, wollen das Kunstwerk aber integrieren", verspricht Gesobau-Sprecherin Elke Spohn.