Von außen sieht das Haus mit seinen derzeit noch rohen Betonwänden eher unwirtlich aus. Doch die Fertigstellung der neuen US-Botschaft schreitet voran. Gestern nahm Bauingenieur Wolfgang Eberspächer, zünftig in Zimmermannskluft, nach seinem Richtspruch einen großen Schluck Sekt und warf das Glas an die Wand - wie es die Tradition verlangt. Dann zog über dem Rohbau, der die letzte Lücke am Pariser Platz geschlossen hat, ein Kran die Richtkrone hoch. Nachdem die Hymne der USA verklungen war, feierten die Amerikaner und ihre Gäste mit "Bratwörst" und "Pretzels" das Richtfest für das Haus, das 120 Millionen Dollar (rund 95 Millionen Euro) kostet. "Es wird Ende 2007 fertig gestellt", kündigte US-Botschafter William Timken jr. an. "Ich hoffe, Sie sind alle mit dabei, wenn wir Anfang 2008 offiziell eröffnen.""Wir hätten die Botschaft auch irgendwo im Wald bauen können", sagte er. Das wäre weniger aufwändig geworden - vor allem was die Umsetzung der hohen Sicherheitsanforderungen anbelangt. "Es ist kein Geheimnis, dass wir während der Entwurfsphase des Gebäudes Herausforderungen zu bewältigen hatten", so Timken diplomatisch.Doch die Entscheidung, am historischen Standort in Mitte zu bauen, sei richtig. Damit zog er den Schlussstrich unter eine lange Debatte. Nachdem Bombenattentate 1998 zwei US-Botschaften in Afrika zerstört hatten, gab es Streit um die Sicherheit. Die USA verlangten 30 Meter Abstand zu den umliegenden Straßen, damit Autobomben dem Haus nichts anhaben könnten. Die Festungsplanung riss den damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) zu dem Ausspruch hin, dass die Amerikaner am Pariser Platz vielleicht besser ein McDonald's-Restaurant errichten sollten. Schließlich einigte man sich auf einen 25-Meter-Abstand. Für 1,8 Millionen Euro, von denen die USA 1,5 Millionen zahlten, wurde die Behrenstraße verlegt. Stahlbetonpoller stehen bereits, ein hoher Zaun kommt hinzu.Schon auf der Baustelle des viereinhalbstöckigen Hauses, dessen Kosten der US-Kongress um 60 Millionen Dollar gedrückt hatte, gelten strenge Regeln. Kameras haben alles im Visier, Bauleute müssen sich wie am Flughafen durchleuchten lassen. "Nicht mal wenn es zur Pause geht, wird darauf verzichtet. Aber solche Vorkehrungen gab es auch, als wir die deutschen Botschaften in Washington und Peking bauten", berichtete Eberspächer. Der 62-jährige Mitarbeiter der Firma HSG Technischer Service, der gar nicht in Berlin arbeitet, war für die Feier aus Heidelberg angereist.Das Richtfest sei ein historisches Ereignis für die wiedervereinigte Stadt, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. "Die Botschaft gehört an diesen Platz", so der SPD-Politiker. "Wir leben in einer Welt, in der die offene Gesellschaft angefeindet wird. Deshalb müssen wir an diesem Ort mit Sicherheitsvorkehrungen umgehen." Wowereit hofft, dass die US-Botschaft trotzdem ein offenes Haus sein wird. Doch einer seiner Amtsvorgänger ist da skeptisch. "So lange es Sicherheitsprobleme gibt, werden die Amerikaner hier nicht jeden hereinmarschieren lassen", sagte Klaus Schütz, der 1996 als einziger Deutscher in der Jury des Architekturwettbewerbs saß. Damals gab es Ideen, deren Schöpfer "keine Vorstellung von Berlin" hatten - mal sollte es ein Haus im wilhelminischen Stil sein, dann wieder etwas extrem Modernes. Was seit 2004 nach den Plänen des Büros Moore Ruble Yudell aus Santa Monica entsteht, gefällt Schütz.Besonders markant: Ein gläserner Konferenzsaal, der bei Dunkelheit beleuchtet wird und "Laterne" genannt wird, krönt das Haus. Gräser aus den USA bedecken künftig das Dach, im begrünten Hof entstehen Feuerplätze. Der Baldachin aus Stahl und Glas, der den Eingang überspannt, ist schon erkennbar. Das Botschafterzimmer befindet sich zur Ebertstraße hin - "damit wir die deutsche Regierung immer im Blick haben", wie Timken scherzte. Er kündigte an, dass das jetzige Botschaftsgebäude Neustädtische Kirchstraße 4-5 dem Bund zurückgegeben wird. Dann werden dort die Sperren abgebaut.------------------------------Zurück an den historischen OrtGrafik: USA - was ist das? Diese Frage muss sich John Quincy Adams, der erste Diplomat der Vereinigten Staaten auf deutschem Boden, 1797 in Berlin anhören. Der Leutnant, der ihn an einem Stadttor anhält, kennt die junge Nation noch nicht. Der Gesandte, später der sechste US-Präsident, muss ihn erst aufklären.An der Friedrichstraße, Ecke Behrenstraße, residiert Adams von 1798 an in einer Wohnung. Weil auch spätere Diplomaten ihre Räume in Berlin lediglich mieten, wechselt der Standort der US-Vertretung öfter.Pariser Platz 2 - so lautet die Adresse der Botschaft, nachdem das US-Außenministerium 1931 das Palais Blücher von einem lettischen Bankier für 1,8 Millionen Dollar gekauft hat. Doch noch im selben Jahr brennt es aus. Erst 1939 wird es wieder eröffnet - um 1941, nach der Kriegserklärung an Deutschland, geschlossen zu werden. 1957 lässt die DDR die im Krieg beschädigten Reste des Palais abreißen. Das Gelände an der Sektorengrenze wird Sperrgebiet.Auf dem Areal wird 1993 eine Tafel enthüllt, die den Botschaftsneubau ankündigt. 1996 gewinnt das Architekturbüro Moore Ruble Yudell (mit Gruen Associates) den Wettbewerb. 1999 soll das Haus fertig sein. Doch weil der US-Kongress 1997 das Geld verweigert und sich die USA 1999 bis 2002 mit dem Senat um die Sicherheit streitet, gibt es Verzögerungen.Anfang 2008 soll die neue US-Botschaft am Pariser Platz 2 fertig sein. Mehrere hundert Menschen werden dort arbeiten. Der Haupteingang befindet sich dann hinter Alleebäumen an der Ecke Ebert-/Behrenstraße.------------------------------"Wir hätten auch im Wald bauen können." William Timken jr., US-Botschafter------------------------------Foto: Hoch damit! Botschafter William Timken jr. gibt das Zeichen zum Hochziehen der mit den US-Nationalfarben geschmückten Richtkrone. Ronald Norby von der Baufirma Hensel Phelps, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Ingenieur Wolfgang Eberspächer (v. r.) begleiten den Diplomaten.