Gestrandet in der Schmetterlingsbucht

Müll begegnet uns täglich und überall. Und wenn wir ihn überhaupt noch wahrnehmen, dann als Störfaktor für unseren hygienisch geschulten Blick. Nicht so bei Bernd Damke: In seinen Fotografien inszeniert der 70-Jährige weggeworfene Alltagsobjekte nicht als Fremdkörper, sondern als Teil eines harmonischen Ganzen. Ohne Effekthascherei lichtet er den Rest einer Kunststoffmatte, Schuhsohle, Flaschendeckel oder Glasscherben auf Sand, Steinen oder Holz ab.Damke will nicht dokumentieren. Seine Nahaufnahmen lassen magische Miniaturwelten entstehen: Eine alte Plastikbürste sieht aus wie eine sterbende Koralle; ein großer blauer Plastikring wird zum Rahmen für vertrocknetes Gras, das nun wie der eigentliche Abfall wirkt.Indem er Natur und Menschgemachtes kombiniert, hinterfragt Damke den Begriff der Künstlichkeit, aber auch den Kunstbegriff selbst. Er erhebt die nutzlos gewordenen Gegenstände zu Kunstwerken, ohne sie aus ihrem eigentlichen Kontext zu entfernen - vom Erdboden, auf dem sie gelandet sind. Statt die Umwelt zu verschmutzen, schmücken die Fundstücke sie. Bei allen Motiven handelt es sich um typisches Strandgut, zu sehen in der Ausstellung "Cala de las Mariposas" in der Galerie der Kunststiftung Poll. Der Titel ist spanisch - Damke lebt größtenteils auf Mallorca - und bedeutet "Bucht der Schmetterlinge". In ihr lotet der Künstler das Verhältnis von Fläche, Farbe und Raum aus. Für seine Serie großformatiger "Cala"-Bilder hat er gemusterte Stoffbahnen auf Leinwände gespannt und sie mit geometrischen Formen bemalt. Die an Scherenschnitt und Joan Miró erinnernden Linien, Halbkreise und Quadrate entwickeln das vorhandene Muster scheinbar willkürlich weiter, mal asymmetrisch, mal beinahe unsichtbar.Bernd Damkes minimalistischer Stil ist über die Jahrzehnte konstant geblieben: Schon seit den Siebzigerjahren dominieren collagenartige Formen seine Arbeiten, die zunehmend nach Dreidimensionalität strebten. Auch das Schmetterlingsmuster im Bild "Cala de las Mariposas" scheint allein durch die Ergänzungen seines Pinsels in Bewegung zu geraten - Kreise, die aussehen wie magische schwarze Löcher.Nur eines der neuen Gemälde hat keinen Titel mit "Cala". Es heißt nur schlicht "Warmer Regen". Diesen hat Damke vollständig selbst erzeugt - mit zahllosen blau-roten Farbtupfen auf einem hellen Tuch.Galerie der Kunststiftung Poll, Gipsstr. 3 (Mitte), bis 6. 3., Di-Sa 15-18 Uhr.------------------------------Foto: "Playa" - ein gar symbolträchtiges Strand-Stillleben von Bernd Damke.