BerlinEigentlich ist es eine gute Nachricht, dass Menschen, die bei Erkrankungen über die Rufnummer 116 117 Hilfe suchen, lange in der Warteschleife hängen bleiben. Das zeigt, dass die Werbekampagne für die Nummer gewirkt hat, die verhindern soll, dass auch wegen Lappalien über die 112 ein Rettungswagen alarmiert wird.

Wartezeiten von einer knappen Stunde, wie es zuletzt geschehen ist, sind allerdings inakzeptabel. Die Schuld dafür bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen, die für die Leitstelle verantwortlich ist, ist jedoch falsch.

Es ist die Konsequenz einer gut gemeinten, aber offenbar nicht durchdachten Vorschrift aus dem Hause des Gesundheitsministers Jens Spahn (CDU): Die Anamnese am Telefon, bei der ein Mitarbeiter die Symptome einer Erkrankung mithilfe eines Computers durchdeklinieren muss, soll am Ende zu einer Entscheidung führen, was der für den Patienten richtige Behandlungsweg ist.

Sie dauert aber zu lange, und dann reichen die eingesetzten Kräfte nicht aus, um bei einem großen Aufkommen von Anrufen lange Wartezeiten zu vermeiden. Einstweilen bleibt nichts anderes übrig, als sich mit Wartezeiten abzufinden, bis die Kassenärztliche Vereinigung Verstärkung gefunden und eingearbeitet hat.

Man sollte dennoch auch künftig darauf verzichten, die Feuerwehr zu rufen oder sich in eine möglicherweise überfüllte Rettungsstelle zu begeben, wo man erst recht stundenlang wartet. Notfalls stehen auch noch von Freitag bis Sonntag – die Zeiten findet man auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung – vier Notdienstpraxen für Kinder und drei für Erwachsene bereit.