BerlinDie wohl wichtigste Frage zur Eindämmung der Pandemie ist zurzeit die nach den Hotspots der Ansteckungen mit Sars-CoV-2. Trotz aller Bemühungen der Gesundheitsämter, die Ansteckungswege nachzuvollziehen, tappen Experten in dieser Hinsicht weitgehend im Dunkeln. Zumindest wenn es um statistisch belegbare Daten zum Anteil bestimmter Situationen am Infektionsgeschehen geht, ist vieles unklar.

Wie dem Situationsbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) vom 27. Oktober zu entnehmen ist, lässt sich zurzeit nur ein Viertel der insgesamt gemeldeten Covid-19-Fälle einem sogenannten Ausbruchsgeschehen zuordnen. Bei allen übrigen Fällen ist nicht sicher, wo die Infektion erfolgt ist.

Von den Fällen, bei denen man weiß, wo sie ihren Ursprung haben, kann man jedoch einiges ableiten. Während zu Beginn der Pandemie größere Ausbrüche dem Umfeld von Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern und Flüchtlingsheimen zugeordnet werden konnten, ist die Lage heute viel diffuser.

Seit Mitte August zeichnet sich ein Trend recht deutlich ab: Unter den erkannten Fällen dominieren Ansteckungen in privaten Haushalten. Das RKI berichtet in dieser Hinsicht von zahlreichen Häufungen in Zusammenhang mit privaten Feiern im Familien- und Freundeskreis. Seit dem Sommer gibt es auch vermehrt Ausbrüche am Arbeitsplatz und bei Freizeitaktivitäten. Dadurch hat sich das Virus nun so stark verteilt, dass auch Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser wieder vermehrt betroffen sind.

Das RKI betont jedoch: „Insgesamt sind die Angaben zum Infektionsumfeld von Ausbrüchen mit Zurückhaltung zu interpretieren.“ Die Zuordnung sei nicht immer eindeutig. Bei einigen Ausbrüchen spielten auch mehrere Situationen eine Rolle, und es lasse sich nicht immer abgrenzen, wo genau die Übertragung stattgefunden hat.

Daher bleibt nur, das grundsätzliche Wissen über das Virus zu nutzen, um die weitere Ausbreitung  einzudämmen. Klar ist: Sars-CoV-2 wird von Mensch zu Mensch übertragen – durch Tröpfchen und vermutlich auch durch virushaltige Aerosole. Weil sich die Ansteckungsgefahr erhöht, je näher man einem infektiösen Menschen kommt, sollte Abstand gehalten werden, am besten 1,5 Meter. Wenn das nicht möglich ist, bieten Masken einen erheblichen Schutz, wenn alle die Maske vorschriftsmäßig tragen. In den Wintermonaten ist zusätzlich zu beachten, dass sich bei längerem Aufenthalt in kleinen Räumen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung durch Aerosole auch über eine größere Distanz als 1,5 Meter erhöhen kann. Deshalb ist regelmäßiges Lüften so wichtig.

Fazit

Ansteckungen hängen von einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren ab. Immer da, wo Menschen zusammenkommen, steigt die Gefahr, sich und andere anzustecken. 

Die Wissenschaftler lernen jeden Tag dazu: zu den Übertragungswegen und Behandlungsmöglichkeiten, zu den Haupttreibern der Pandemie und zu möglichen Covid-19-Spätfolgen. Die gute Nachricht: Sie wissen mehr als zu Beginn der Pandemie, als das Virus uns zum Lockdown zwang. Die universelle Regel bleibt so oder so: AHA-L-A.

-         Abstand von mindestens 1,5 Metern halten – das ist etwa die Länge eines Einkaufswagens – zu anderen Personen im öffentlichen Raum. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park. Menschenmassen unbedingt vermeiden. Bleiben Sie, so oft es geht, zu Hause. Beschränken Sie insbesondere die persönlichen Begegnungen mit älteren oder chronisch kranken Menschen zu deren Schutz. Treffen Sie Freunde und Familie möglichst draußen. Wenn es eine Möglichkeit gibt, arbeiten Sie von zu Hause aus. Und wenn nicht, versuchen Sie, mit dem Fahrrad oder Auto zur Arbeit zu fahren und öffentliche Verkehrsmittel zu vermeiden.

-         Hygieneregeln beachten: Husten und niesen Sie in ein Taschentuch oder in die Armbeuge, damit werden die Tröpfchen eingefangen. Waschen Sie sich regelmäßig und gründlich 20 bis 30 Sekunden die Hände mit Seife, das ist so lange wie zwei Mal „Happy Birthday“ singen. Vermeiden Sie es, sich ins eigene Gesicht zu fassen.

-         Immer dann, wenn ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen nicht sicher eingehalten werden kann, sollte eine Alltagsmaske (Mund-Nasen-Schutz) getragen werden – draußen sowie drinnen. Dieser kann das Risiko, sich anzustecken, deutlich senken. Vergessen Sie nicht, die Stoffmaske regelmäßig bei 60 Grad zu waschen beziehungsweise sie auszuwechseln. Die Maske muss die Nase und den Mund komplett bedecken, eng anliegen und auch unters Kinn gezogen werden. Abgenommen werden soll sie an den Bändern.

-         In geschlossenen Innenräumen zusätzlich wichtig: Lüften Sie in regelmäßigen Abständen für einige Minuten. Das ist deshalb so wichtig, weil virushaltige Aerosole minutenlang in der Luft bleiben können. Je mehr Menschen sich in einem Raum befinden, desto öfter sollte gelüftet werden.

-         Nutzen Sie außerdem die Corona-Warn-App: Die App benachrichtigt Sie, wenn Sie Begegnungen mit Personen hatten, die mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert waren. Damit sollen Infektionsketten schnell durchbrochen werden. Wer keine Möglichkeit hat, die App zu installieren, kann ein Kontakt-Tagebuch führen. Festzuhalten sind folgende Punkte: Datum, Kontaktperson, Uhrzeit und Dauer der Begegnung, der Ort, wo man sich getroffen hat (drinnen oder draußen?), und die Angabe, ob man einen Mundschutz getragen hat. Vorlagen gibt es im Internet.

Bleiben Sie unbedingt zu Hause, wenn Sie kränkeln, krank sind oder sich angeschlagen fühlen. Helfen Sie denen, die Hilfe benötigen. Versorgen Sie ältere, chronisch kranke Angehörige oder Nachbarn und alleinstehende und hilfsbedürftige Menschen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Und sprechen Sie unbedingt mit anderen über Ihre Ängste und Sorgen. Versuchen Sie, sich Zeit für sich zu nehmen und zu entspannen.