Leipzig - Genau 1.315.562 Namen von weltweit vorkommenden Pflanzen haben Leipziger Forscher in einer Liste zusammengeführt. Der „Leipziger Katalog der Gefäßpflanzen“ ist damit die umfangreichste Aufstellung aller dieser weltweit vorkommenden Pflanzen und ihrer Bezeichnungen, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Scientific Data“. Hinter den mehr als 1,3 Millionen aufgeführten Namen verbergen sich 351.180 Arten von Gefäßpflanzen – bei dem Rest handelt es sich um synonym verwendete Begriffe, die in der Wissenschaft häufig für Verwirrung sorgen.

„In meiner täglichen Arbeit im Botanischen Garten stoße ich regelmäßig auf Artbezeichnungen, die nicht eindeutig sind, wo die bisherigen Referenzlisten Lücken haben“, sagt Martin Freiberg vom Botanischen Garten der Universität Leipzig. „Das bedeutet jedes Mal Recherchearbeit, die einen von der eigentlichen Arbeit abhält, und vor allem auch eine eingeschränkte Verlässlichkeit der Forschungsergebnisse. Diese Riesenbaustelle wollte ich so gut wie möglich beseitigen.“

Häufig ist das Wirrwarr historisch bedingt: Pflanzen, die vor langer Zeit in einem Teil der Welt entdeckt und beschrieben wurden, wachsen vielleicht auch in einer anderen Region und wurden dort ebenfalls erfasst – allerdings mit einem anderen Namen, erläutert Freiberg. Die unterschiedlichen Namen seien dann teils bis heute gebräuchlich, auch wenn später die Erstbeschreibung als wissenschaftlich korrekter Artname festgesetzt werde. Hinzu komme, dass in den vergangenen Jahren durch molekulargenetische Untersuchungen wissenschaftliche Zuordnungen revidiert werden mussten, also sich zum Beispiel eine beschriebene Art als tatsächlich zwei Arten herausstellt.

Um die Unordnung zu beseitigen, durchforstete Freiberg mit Unterstützung weiterer Forscher vorhandene Datenbanken, glich die teils unterschiedlichen Namen ab und vereinheitlichte sie. Er korrigierte bestehende Ungleichheiten wie Schreibweisen und Synonyme und ergänzte die Liste um neu identifizierte Arten von Gefäßpflanzen. Zu den Gefäßpflanzen gehören zum Beispiel Farne und Samenpflanzen – und damit alle Blütenpflanzen. Moose gehören nicht dazu.

Der Leipziger Gesamtkatalog enthalte über 70.000 Arten mehr als das bisherige Standardwerk, „The Plant List“ des Königlich Botanischen Gartens Kew in London, das allerdings seit einigen Jahren nicht mehr aktualisiert wurde. „Der Katalog hilft wesentlich dabei, dafür zu sorgen, dass Forscher auf dem gesamten Globus auch dieselbe Art meinen, wenn sie einen Namen benutzen“, sagt Freiberg. „Moderne Wissenschaft heißt oft, Datensätze aus unterschiedlichen Quellen zu kombinieren. Hier muss einfach klar sein, welche Arten gemeint sind, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen oder verschiedene Arten als eine Art darzustellen.“

Die Arbeit an dem frei zugänglichen Katalog sei noch nicht abgeschlossen, erzählt Freiberg, der trotzdem schon ein neues Projekt im Auge hat: Als Nächstes möchte er eine ähnliche Liste für die Zoologie erstellen. (dpa/fwt)