Im nordrhein-westfälischen Gütersloh: Ein Helfer in Schutzanzug nimmt vom Fahrer eines Fahrzeugs eine Probe. 
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BerlinWer aus einem Corona-Risikogebiet innerhalb Deutschlands in den Urlaub reist, soll das ärztlich bestätigte Ergebnis eines Sars-CoV-2-Tests im Gepäck haben, um nachzuweisen, dass er nicht infiziert ist. So haben es Bund und Länder beschlossen. Der Test soll höchstens 48 Stunden alt sein. Einerseits steht die Frage, wie solche Tests massenhaft organisiert werden können. Andererseits muss man fragen: Wie aussagekräftig sind sie überhaupt?

Relativ sicher ist bisher nur der sogenannte PCR-Test auf Basis der Polymerase-Kettenreaktion. Hier wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt. Die Tests sind Forschern zufolge in 98 von 100 Fällen zuverlässig. Ein Rachenabstrich ist schnell gemacht. Aber die labortechnische Vorbereitung der Proben, die Testverarbeitung von vier bis fünf Stunden und die Auswertung der Ergebnisse - abhängig von der Menge der Proben im Labor - summieren sich schnell auf ein bis zwei Tage. Für massenhafte kurzfristige Tests ohne medizinische Notwendigkeit - also für Urlauber - gibt es kaum Kapazitäten. Der einzige Weg wird Amtsärzten zufolge über den Hausarzt führen, möglicherweise mit Selbstzahlung von bis zu 150 Euro, weil die Krankenkassen nicht zahlen.

Eine weitere Methode sind Antigen-Tests, die ebenfalls auf einem Rachenabstrich beruhen und in kürzester Zeit eine akute Infektion nachweisen können. „Allerdings weisen bisherige Testverfahren eine Infektion lange nicht so zuverlässig nach wie ein PCR-Test“, heißt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts (RKI). Sie eignen sich vor allem dazu, Beschäftigte in Notaufnahmen und Praxen zu testen. 

Bei den Tests kommt es entscheidend auf den Zeitpunkt an. Bei ganz frisch Infizierten sind Viren noch nicht nachweisbar. Diese müssen erst in der Schleimhaut replizieren, also ihr Erbgut in Zellen einschleusen, um sich zu vermehren. Wer heute noch virusfrei getestet wird, kann einige Tage später schon Viren verbreiten. Die sogenannte Latenzzeit - von der eigenen Ansteckung bis zum Zeitpunkt, an dem man selbst ansteckend ist - wird auf 2,5 Tage geschätzt. Das ergab eine Studie mit Daten aus sieben Ländern. Andere Studien schätzen diesen Zeitraum auf 3,5 bis vier Tage nach der Infektion. Das RKI nimmt eine Latenzzeit von drei Tagen an. Zusammengefasst: Ein 48 Stunden zurückliegender Test sagt nicht eindeutig aus, ob man infiziert ist oder nicht. Zumal man sich auch in der Zeit dazwischen noch anstecken kann.

Generell heißt es beim RKI: „Eine Labordiagnostik sollte in der Regel nur bei Krankheitszeichen zur Klärung der Ursache durchgeführt werden.“ Wenn man gesund sei, sich aber noch in der Inkubationszeit befinde, sage ein negativer Test auf Sars-CoV-2 „nichts darüber aus, ob man doch noch krank werden kann“. Die Inkubationszeit dauert im Schnitt fünf bis sechs Tage, in bestimmten Fällen aber auch bis zu 14 Tage.

Zur Wahl des Zeitpunkts für die Tests kommen noch mögliche Fehlerquellen bei der Entnahme der Viren. In der ersten Erkrankungswoche sind Viren meist nur im Rachenraum nachweisbar, in der zweiten Woche dagegen oft nur im Lungensekret. Dann sind sie bereits aus dem Rachen verschwunden. Also könnte man auch Viren in sich tragen, obwohl man ein  negatives Testergebnis vorweist, weil der Abstrich fehlerhaft gemacht wurde.  All dies muss man bedenken, wenn man Tests zur Grundlage des Reiseverkehrs macht. Sie sind immer nur eine Momentaufnahme.