Abgeholzte Baumstämme in Polen. Einer trägt die polnische Aufschrift: „Dieser Baum war mehr als 100 Jahre alt“.
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IspraDie Holzeinschläge in Europa haben drastisch zugenommen: Von 2016 bis 2018 lag die Holzentnahme um 49 Prozent höher als im Zeitraum 2011 bis 2015. Etwa 69 Prozent der Biomasse seien seit 2016 verloren gegangen. Dies haben Wissenschaftler der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission im italienischen Ispra bei der Auswertung von Satellitenaufnahmen entdeckt. Das Team um Guido Ceccherini macht vor allem die gestiegene Nachfrage nach Holz als nachhaltigen Roh- und Brennstoff für den Anstieg der Rodungen verantwortlich.

Wenn die Rodungen in einem solchen Umfang weiter anhielten, hätte das Folgen auf die Maßnahmen der Europäischen Union (EU) gegen den Klimawandel, schreiben die Forscher im Wissenschaftsjournal Nature. Derzeit seien etwa 38 Prozent der Landfläche in der EU mit Wald bedeckt. Die Bäume nähmen etwa zehn Prozent des in der EU ausgestoßenen Kohlendioxids (CO2) auf. Halte der festgestellte Trend an, dann könnten die Wälder weniger CO2-Emissionen kompensieren. In diesem Fall wären zusätzliche Emissionsminderungen in anderen Sektoren notwendig, um bis 2050 die zugesagte Klimaneutralität der EU zu erreichen, mahnen die Forscher.

Guido Ceccherini und Kollegen untersuchten die Veränderungen der Waldflächen in 26 EU-Staaten anhand von Bildern, die Erdbeobachtungssatelliten lieferten. Auch kleinere Rodungsflächen waren darauf gut erkennbar. Für den Anstieg der Rodungen um fast 49 Prozent sehen die Forscher drei mögliche Gründe: zum einen die Alterung der europäischen Wälder, die das Entnehmen einer größeren Anzahl von Bäumen notwendig mache. Dieser Grund könne aber höchstens zehn Prozent des beobachteten Anstiegs erklären. Zum anderen könnten Waldbrände oder Sturmschäden zu Holzverlusten führen. Die waren von den Forschern aber von vornherein herausgerechnet worden. Damit bleibt nach ihrer Auffassung die gestiegene Nachfrage nach Holz übrig, die auch von den statistischen Organisationen der Vereinten Nationen und der EU, Faostat und Eurostat, bestätigt werde.

Der bemerkenswerte Anstieg der Abholzungsfläche sei besonders in Ländern mit relevanter Fortwirtschaft – etwa für den Bioenergiesektor oder die  Papierindustrie – zu verzeichnen, schreiben die Studienautoren. Rodungen in Schweden und Finnland machten mehr als 50 Prozent des Anstiegs aus. Auf Polen, Spanien, Frankreich, Lettland, Portugal und Estland entfielen zusammen rund 30 Prozent. Deutschland ist nicht am Trend beteiligt. Hier nahmen die Waldflächen 2016 bis 2018 im Vergleich zum Zeitraum 2004 bis 2015 sogar um sieben Prozent zu. Nur Belgien mit 18 Prozent und die Niederlande mit neun Prozent hatten höhere Zuwächse.

Die Studie zeige „die sehr dramatischen Verluste an Waldfläche und Biomasse, die sich durch den Wunsch, stärker auf Bioenergie zu setzen, ergeben“, gab die Geowissenschaftlerin Christine Fürst von der Universität Halle-Wittenberg in einem Kommentar zu der Studie zu bedenken. Kahlschläge würden sicherlich zum Teil aufgeforstet. Durch sie werde jedoch der Humus abgebaut der ein wichtiger Kohlenstoffspeicher sei. Der Forscher Marcus Lindner vom European Forest Institute (EFI) in Bonn zeigte sich überrascht vom Ausmaß der Zunahme der Holzeinschläge in Nordeuropa. Er sagte: „Da die im Anhang gezeigten nationalen Statistiken deutlich geringere Zuwächse aufweisen, erscheinen hier detaillierte Vergleiche angezeigt, um die gefundenen Trends zu verifizieren.“