Es muss nicht gleich eine Teddy-Zypresse mit Mundschutz sein, dennoch: In Virus-Zeiten sind Gärten noch wichtiger als sonst.
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BerlinWer einen Vorgarten hat, ist ohne Frage privilegiert. Denn in der Regel gehören dazu noch ein Haus und zumeist auch ein Garten dahinter. Und gerade in Corona-Zeiten ist ein Plätzchen im Grünen besonders wertvoll. Im Garten kann man nicht nur sitzen, sondern sich auch bewegen. Freiluftübungen und Graben und Pflanzen sind schließlich fast dasselbe.

Und natürlich ist der Garten auch ein Ort der Kommunikation. Normalerweise trifft man sich zu Kaffee und Kuchen oder zum Grillen im hinteren Garten. Gerade in diesen Wochen bekommt nun der Plausch am Gartenzaun eine herausragende Bedeutung – und damit auch der Vorgarten. Zaun oder Hecke sorgen ganz von allein für das angesagte Social Distancing, ein frisches Lüftchen vertreibt zusätzlich potenzielle Virengefahr.

Der Vorgarten ist also gerade jetzt der perfekte Ort für eine Unterhaltung, mit der Nachbarin oder vorbeilaufenden Flaneuren. Nicht ohne Grund raten Gartenplaner zu einer Bank im Vorgarten – um Einkaufstaschen abzustellen, vor allem aber um diesen Gartenteil zum Ort sozialer Interaktion zu machen. Er ist schließlich quasi halböffentlicher Raum. Gartenzaun-Gespräche statt Chat im Netz, eine schöne Alternative.

Man sollte es sich allerdings gemütlich machen können im Vorgarten, sonst macht es keinen Spaß. Nur ein einladender Vorgarten fördert die Plaudereien. Hohe Hecken und Zäune wirken naturgemäß kontraproduktiv. Der Vorgarten sagt etwas über seinen Besitzer aus und wird deshalb auch gerne und ein wenig bieder die „Visitenkarte“ des Hauses genannt. Eine Steinwüste, vertrocknete Blumen, die Mülltonne direkt neben dem Eingang – all das kann durchaus Rückschlüsse auf die Bewohner geben. Menschen, die man gerne besucht oder mit denen man ins Gespräch kommen möchte, empfangen wohl anders.

Im Frühling ein farblich abgestimmtes Tulpenbeet, ein blühender Baum, später vielleicht ein prächtiger Rosenstock oder eine besondere Dahliensorte werden Blicke anlocken und den Einstieg ins Gespräch erleichtern. In den letzten Jahren gab es allerdings einen unglücklichen Trend zum steinernen Vorgarten – beherrscht von Kies und Schotter. Eine ziemliche Wüstenei, eine Grausamkeit fürs Auge, hier lädt nichts zum Verweilen ein. Und zu dem ästhetischen Einwand gesellen sich auch noch ökologische und ganz praktische Bedenken.

Wider den Trend zur Tristesse!

Zwischen den Steinen siedeln sich schwer zu entfernende Unkräuter, Flechten und Moose an, im Herbst müssen Blätter mühselig von Hand entfernt werden. Im Sommer wiederum heizen sich die grauen Gärten tagsüber sehr auf und geben die Wärme nachts wieder ab. Das ist schlecht für Tiere und Insekten, die weder Rückzugsorte noch Nahrung finden. Weil sich diese tristen Vorgärten gerade auch in Neubaugebieten so verbreitet haben, gibt es diverse Initiativen dagegen. „Rettet den Vorgarten“ vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) ist eine davon.

Wie sieht nun aber der Vorgarten idealerweise aus? Der Stil des Gartens sollte zum Haus passen. Zu ländlichen Baustilen passen Staudenbeete, Rosen, alle Zutaten eines Bauerngartens, zu moderner Architektur eher geometrische Formen, vielleicht sogar ein grüner Garten, der seine Lebendigkeit verschiedenen Blattfarben, Formen und Strukturen verdankt. Gerade bei den in der Regel kleineren Vorgärten kann man sich an das Prinzip „Weniger ist mehr“ halten. Mehr vom Gleichen wirkt großzügiger, nicht langweilig. Das gilt auch für Wege, Beeteinfassungen oder die Verkleidung der Mülltonnen: Die Konzentration auf ausgesuchte Materialien ist immer ruhiger und eleganter.

Norbert Lehmann, Landschaftsgärtner der Firma Wildwuchs, hat häufiger mit Vorgärten zu tun. „Manchen Kunden ist der Vorgarten sogar wichtiger als der Hintergarten, da geht es dann um Repräsentation. Und natürlich soll es vor der eigenen Tür mindestens so schön aussehen wie beim Nachbarn“, weiß er zu berichten. Damit der Vorgarten ganzjährig gepflegt und attraktiv wirkt, empfiehlt er lang blühende Sorten mit attraktivem Laub auszuwählen. Storchschnabel und Funkien eignen sich für lichten Schatten.

Hingucker und Gesprächseinstieg: Hortensien vor dem Haus.
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Der Duftschneeball, Hortensien, das Tränende Herz, wintergrüner Storchschnabel, Purpurglöckchen, die Elfenblume oder Haselwurz sind andere Stauden, die sich an schattigen Standorten wohlfühlen und sich für Vorgärten eignen, die oft im Schatten liegen. Für sonnigere Lagen schlägt Norbert Lehmann zum Beispiel Steppenkerzen, Stockrosen, den Purpursonnenhut, Lavendel oder Polster-Phlox vor. Gehölze geben einem Vorgarten zusätzlich Struktur. Der Blumenhartriegel, ein Bauernjasmin oder Zwergblutpflaumen bieten sich an, weil sie auch im kleinen Garten Platz finden.

Trompetenzunge und Rittersporn

„Erstaunlich viele Kunden wünschen sich auch immer noch eine kleine Harlekinweide im Vorgarten“, erzählt Lehmann. „Die gibt es zuverlässig jedes Jahr wieder mit Beginn der Pflanzsaison preiswert im Baumarkt. Für meinen Geschmack wirkt so ein Bäumchen mittig im Beet etwas verloren und ein bisschen piefig“, gibt er zu bedenken. Gefäße dagegen, die neben der Haustür aufgestellt werden, sind auch für den Landschaftsgärtner ein schöner Blickfang und bringen Abwechslung durch saisonalen Austausch. Im Sommer könnten sie etwa mit Lobelien, Trompetenzungen und Rittersporn bepflanzt werden, im Herbst mit Chrysanthemen, Astern, Schafgarbe, Zierkohl oder Goldsalbei.

Ein schöner, vielleicht von Blumen umrankter Briefkasten mit Namensschild erfreut den Postboten und macht auch die Vorstellung am Gartenzaun unkompliziert. Der nicht zu glatte Weg zum Hauseingang sorgt für Sicherheit, genauso wie angenehme Beleuchtung. So angelegt ist der Vorgarten ein ganz spezieller Teil des Gartens, in dem sich der Geist des Hauses spiegelt und sich mit ein bisschen Glück auch Freundschaften quasi im Vorübergehen schließen lassen.