Wenn Medizinstudenten sich verpflichten, nach ihrem Abschluss fünf Jahre in Brandenburg zu arbeiten, bekommen sie während ihrer laufenden Ausbildung ein Stipendium.
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PotsdamÄrzte können, aber sie müssen nicht in Rente gehen. Wenn sie eine eigene Praxis haben, können sie auch im recht hohen Alter weiterarbeiten. Viele machen das auch. Es gibt zum Beispiel im Land Brandenburg einen Arzt, der noch mit 82 Jahren arbeitet.

Das ist gut in einer Zeit, in der massiver Ärztemangel herrscht – besonders auf dem platten Land, also den Landärzten. „Wir müssen die Altersstruktur im Blick haben“, sagt Christian Wehry, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg. „Inzwischen sind ein Drittel aller Ärzte im Land älter als 60 Jahre.“ Deshalb sei es wichtig, dass massiv für Nachwuchs geworben wird.

Mindestens fünf Jahre in Brandenburg

Deshalb sei es sehr gut, dass die Landesregierung ein Programm aufgelegt hat, mit dem Medizinstudenten nach ihrem Abschluss nach Brandenburg geholt werden sollen.

Derzeit läuft die zweite Bewerbungsrunde des Landärzteprogramms: Bis zum 15. Februar können Medizinstudenten aus allen Bundesländern melden, die zum späteren Einsatz im ländlichen Raum Brandenburgs bereit sind. Wenn sie sich verpflichten, nach ihrem Abschluss fünf Jahre in Brandenburg zu arbeiten, bekommen sie während ihrer laufenden Ausbildung ein Stipendium. In diesem Fall ab dem 1. April 2020. Das Stipendium wird vom Potsdamer Gesundheitsministerium gefördert.

Das Landärzteprogramm wurde von der Landesregierung initiiert und wird aus Landesmitteln finanziert. Für die Umsetzung werden nach Angaben des Gesundheitsministeriums bis 2027 Fördermittel in Höhe von insgesamt mehr als 18 Millionen Euro benötigt. Bis 2027 können bis zu 200 Studenten davon profitieren.

Bewerbungen aus dem gesamten Bundesgebiet

Grundsätzlich ist es so, dass die Studenten eine Förderung von monatlich 1000 Euro beantragen können. Wer bereits ein Stipendium von einer Kommune oder einem Krankenhaus bekommt, kann sich für ein sogenanntes Co-Stipendium von monatlich bis zu 500 Euro bewerben.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sagt: „Brandenburg braucht junge, engagierte Ärztinnen und Ärzte. Wir freuen uns über jede und jeden, die sich für einen Berufsstart in Brandenburg entscheiden.“ Der Start des Landärzteprogrammes sei erfolgreich gewesen.

Aus ganz Deutschland seien Bewerbungen eingegangen. „Das zeigt, dass Brandenburg für Nachwuchskräfte attraktiv als Ort zum Leben und Arbeiten ist“, sagte Nonnemacher, die vor ihrer Politikkarriere selbst Ärztin war. „Unser Ziel ist es natürlich, sie alle deutlich länger als fünf Jahre für Brandenburg begeistern zu können.“


Landarztprogramm

  • Dauer: Die Förderung kann maximal für die Dauer der Regelstudienzeit von 75 Monaten gewährt werden. Mit bis zu 5760 Euro monatlich kann die Anstellung von Ärzten in Weiterbildung gefördert werden.

  • Weiterbildung: Die Förderung gilt für folgende Facharztgruppen: Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde , Augenheilkunde, Hautkrankheiten, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Psychiatrie, Neurologie.

  • Bewerbung: Unterlagen und alle Infos gibt es auf der Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.

Das Landärzteprogramm startete im September 2019: In der ersten Bewerbungsrunde gingen 75 Bewerbungen ein. Nach einer Auswahl konnten mit dem Beginn des Wintersemesters 2019/2020 ab Oktober 34 Stipendien mit monatlich 1000 Euro vergeben werden. Dazu kamen sechs Co-Stipendien über 500 Euro für die Dauer der Regelstudienzeit.

Bundesweit geringste Arztdichte

Insgesamt ist es so, dass der Tiefpunkt vorerst durchschritten ist. Landärzte gehören zu den sogenannten Ärzten im ambulanten System. Das sind keine Krankenhausärzte, sondern all jene bei denen die Patienten sich mit ihrer Krankenkassenkarte sich behandeln lassen können. Das sind vor allem Niedergelassene Ärzte mit eigenen Praxen oder angestellte Ärzte in Gesundheitsversorgungszentren.

Im Jahr 2012 gab es nur noch 3507 dieser Ärzte, Ende 2018 waren es bereits wieder 3860. „Obwohl wir die Zahl also erfolgreich steigern konnten, ist Brandenburg das Bundesland mit der bundesweit geringsten Arztdichte“, sagte Christian Wehry von der Kassenärztlichen Vereinigung.

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55.000 Euro für Praxisübernahme

Die Vereinigung und die Krankenkassen fördern seit Jahren auch Studenten, indem sie Praktika in Brandenburg vermitteln oder Weiterbildungen fördern. „Es besteht auch die Möglichkeit, dass wir in Gegenden, in denen ein Versorgungsproblem ansteht oder bereits besteht, die Übernahme einer Praxis fördern können“, sagte Wehry. Dafür können bis zu 55.000 Euro bereitgestellt werden. Auf diese Art konnten in Schwedt in der dünn besiedelten Uckermark elf Praxen gehalten werden.

Peter Noack, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, sagte: „Wir sind seit vielen Jahren in der Nachwuchsförderung breit aufgestellt und haben allein im vergangenen Jahr rund acht Millionen Euro in die Förderungen von Studenten und Ärzten in Weiterbildung investiert.“ Das Landärzteprogramm gebe nun weitere Impulse für die Ansiedlung junger Kolleginnen und Kollegen.