Köln - Vielleicht verklären wir ja alle unsere Jugend, aber in der Erinnerung haben wir mit Mitte 20 mehr gefeiert als heute. Wenn's gut war, auch mal drei Nächte hintereinander. Mit Alkohol natürlich. Klar, wir hatten auch mal einen Durchhänger. Aber Montagmorgen ging's dann irgendwie immer wieder. Ohne nennenswerten Kater. 

Hat man aber erst mal die 30 passiert, wird das mit dem Feiern immer schwieriger. Nicht nur, dass wir immer seltener Lust dazu haben, wir leiden anschließend auch viel mehr. Und das hat Gründe. 

Wir sind nicht mehr in der Übung 

Wie gut unser Körper ein verfeiertes Wochenende übersteht, hängt auch von unserer Übung ab. Da die Feiern im Alter zumindest zahlenmäßig eher weniger werden, vertragen wir nicht mehr so viel Alkohol. Für unseren Körper ist das gut, doch das bedeutet auch, dass der Kater am nächsten Morgen schmerzhafter wird. Denn: Wer regelmäßig trinkt, der erhöht seine Toleranzgrenze. „Wer nach fünf Drinks nichts merkt und sich nicht betrunken fühlt, ist abgehärtet“, erklärt Dr. Peter Strate von der Asklepios Klinik für Abhängigkeitserkrankungen in Hamburg.

Wir sind dicker

Mit dem Alter werden Menschen dicker, selbst wenn sie nicht mehr essen. Schuld daran ist ein veränderter Stoffwechsel – der wirkt sich auch auf die Körperzusammensetzung aus. Das heißt: Das Fett-Wasser-Verhältnis verändert sich, im Alter geht der Wasseranteil zurück, das Fett wird mehr. Da sich Alkohol in Wasser und nicht in Fett löst, steigt der Blutalkoholspiegel höher. Wir werden schneller und intensiver betrunken als früher und der Kater schlägt doppelt so hart zu.

Unsere Leber kann nicht mehr so wie früher

Die Leber verrichtet Schwerstarbeit, wenn wir Alkohol trinken, denn hier wird der Alkohol abgebaut und die aufgenommenen Giftstoffe umgewandelt. Mit steigendem Alter wird diese Aufgabe für das Organ nicht leichter. Sie ist übrigens auch für die Symptome, die wir „Kater“ nennen verantwortlich. Er entsteht beim Alkoholabbau durch giftige Nebenprodukte – wie etwa Acetaldehyd –, die dem Körper schaden.

Wir schlafen schlechter

Das Schlafhormon Melatonin sorgt dafür, dass wir abends schläfrig werden, denn dann steigt der Melatoninspiegel normalerweise an. Produziert wird das Hormon in der Zirbeldrüse, jedoch nimmt die Produktion im Alter ab. Die Folge: wir schlafen schlechter.

Hinzu kommt, dass wir durch Alkoholkonsum unseren REM-Schlaf verkürzen – obwohl dieser sehr wichtig für die Erholung ist. Obwohl wir geschlafen haben, fühlen wir uns also im Alter und nach dem Alkoholkonsum doppelt gerädert. Also: Auch wenn wir unter Alkoholeinfluss sehr gut einschlafen, so ist dieser Schlaf wenig erholsam. „Meistens werden wir wach, wenn der Alkoholpegel sinkt, so nach 2-3 Stunden“, erklärt Suchtexperte Strate. „Das subjektive Gefühl ist, dass Alkohol entspannt. De facto ist Alkohol aber nicht förderlich, wenn man sich wirklich entspannen will.“