Jordantal - Derzeit hält uns der Winter mit aller Macht in seinen Fängen. Schneegestöber, Minusgrade und so weiter. Ein sehr ungemütliches Wetter. Kaum vorstellbar, dass man sich jetzt andernorts auf den Weg zu uns macht. Aber genau das passiert jedes Jahr zu dieser Zeit mit schöner Regelmäßigkeit: Das Jordantal zwischen Israel und Jordanien, eine politisch und militärisch umkämpfte Region, bietet als beliebter Rastplatz für Zugvögel ein großartiges Naturschauspiel. Hier gelingen Tierfotografen immer wieder beeindruckende Bilder, wenn Abertausende Stare in ihren dichten Schwarmformationen angeflogen kommen.

Foto: AFP/Menahem Kahana
Erinnert die Formation eher an ein Auge oder einen Tropen?

Das Jordantal, eigentlich ein friedlich wirkender Landstrich, zieht sich am Fluss Jordan entlang vom See Genezareth zum Toten Meer hinab. Der AFP-Fotograf Menahem Kahana machte in der Seenlandschaft jetzt die tollsten Bilder. Sehr schön ist etwa die Ufo-Formation der Stare auf unserem oberen Foto, aber auch das Auge oder der Tropfen auf dem unteren Foto ist ein echter Hingucker. Die Formationen entstehen zufällig und folgen keiner einstudierten Choreografie; gar nicht zufällig ist indes ihr Zweck, denn je kompakter der Flugverband, desto besser dient er der Feindesabwehr, etwa der in den Bäumen lauernden Falken.

Foto: AFP/Menahem Kahana
Wehe dem Falken, der sich in dieses hochdynamische Geschehen hineinverirrt.

Der abendliche Tanz dient also der Verteidigung – eine ähnliche Strategie verwenden übrigens auch riesige Herings- und Sardinenschwärme, die sich so dicht drängen, dass Delfine und Tunfische den einzelnen Beutefisch gar nicht mehr erkennen können. Das Erstaunlichste an einer hochdynamischen Starwolke ist allerdings das Folgende: Wenn sich der Feind doch einmal in sie hineinverirrt, wird der Schwarm so verdichtet, dass der Greifvogel gar nicht mehr mit den Flügeln schlagen kann und unten wieder aus der Wolke herausfällt.