Berlin - Die nächste Krise rollt auf Deutschland zu. Nicht die nächste Welle der Corona-Pandemie, nicht Omikron 2.0, nicht Pi, nicht Phi. Sie wird nicht als Wand beschworen wie dieser Tage die rasch ansteigenden Inzidenzen. Und doch wird diese Krise nahezu jeden erfassen. Die Gesellschaft wird mit Vollgas vor diese Wand brettern. Wenn sich nicht rasch etwas ändert.

Die ambulante Pflege von kranken und alten Menschen wird in absehbarer Zeit nicht mehr ihren Anforderungen gerecht. Ein beträchtlicher Teil der Beschäftigten geht in Rente. Nachwuchs fehlt. Es mangelt an Geld im System, das direkt bei den Mitarbeitern der Pflegedienste ankommt. Die Dienste schrumpfen. Schon jetzt kommt es in Berlin und anderen Städten einem Glückslos gleich, für Angehörige eine ambulante Betreuung zu ergattern. In kaum einer Branche öffnet der demografische Wandel die Schere zwischen Angebot und Nachfrage derart weit. Denn gleichzeitig wächst die Zahl der Pflegebedürftigen stark an. Nicht aber das Verständnis bei den Geldgebern, den Kommunen, Krankenkassen und Pflegekassen.

Die Politik konzentriert sich auf die Akutversorgung des Gesundheitssystems, das nicht ausreichend immunisiert ist gegen außergewöhnliche Belastungen. Sie bemerkt nicht, dass der nächste Kollaps naht, der noch viel tiefgreifender sein wird. Oder sie will es nicht bemerken. Sie folgt einer Haushaltsdisziplin oder anderen kurzfristigen Impulsen.

Die Situation ist zweifach paradox. Obwohl sehr viele Menschen betroffen sind, stellt sich kein öffentliches Bewusstsein für das Problem ein. Obwohl ein Virus namens Sars-CoV-2 die grundlegenden Defizite des Systems offenbart, fehlt die Bereitschaft zu Veränderung. Zehn Jahre bleiben vielleicht noch bis zum Blackout. Soll dann niemand so tun, als komme dieser Zusammenbruch über das Land wie eine Naturkatastrophe.