Die Angst geht um: Um die Verbreitung der Lungenkrankheit in China einzudämmen, sind mehrere Millionen Menschen von der Außenwelt abgeschnitten worden.
Foto: Noel Celis / AFP

Istanbul/PekingDie türkischen Behörden kontrollieren aus Angst vor einer Verbreitung der neuen Lungenkrankheit Reisende aus China mit einer Wärmebildkamera. Am Istanbuler Flughafen, der ein internationales Drehkreuz ist, würden Fluggäste aus China seit dem frühen Freitagmorgen sofort nach dem Verlassen des Flugzeuges gescannt, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Der für die Grenzen zuständige ärztliche Leiter der Gesundheitsdirektion am Istanbuler Flughafen, Aykut Yener Kavak, sagte demnach, dass Reisende genauer untersucht würden, wenn die Wärmebildkameras eine Körpertemperatur über 38 Grad registrieren.

Außerdem hat China seine Sicherheitsmaßnahmen gegen das neuartige Coronavirus nochmals drastisch ausgeweitet. Bis Freitag wurden in fast einem Dutzend Städten der zentralchinesischen Provinz Hubei die öffentlichen Verkehrsverbindungen weitgehend gekappt. Insgesamt rund 26 Millionen Menschen standen damit praktisch unter Quarantäne. Laut neuen Zahlen der chinesischen Regierung stieg die Zahl der Todesopfer durch das Virus in China um weitere acht Fälle auf mindestens 26.

24 dieser Todesfälle wurden demnach in Hubei verzeichnet, zwei weitere in der an Russland angrenzenden Nordostprovinz Heilongjiang und der nördlichen Provinz Hebei. Insgesamt stieg die Zahl der Erkrankungen durch den Erreger in China laut der offiziellen Zwischenbilanz um weitere etwa 160 auf insgesamt rund 830 bestätigte Fälle. Bei weiteren 1072 Krankheitsfällen bestehe der Verdacht, dass sie durch das Virus ausgelöst worden sein könnten, teilte der Gesundheitsausschuss der chinesischen Regierung mit. Diese Fälle würden noch untersucht.

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Die chinesischen Behörden hatten am Donnerstag die Elf-Millionen-Einwohner-Stadt Wuhan, in welcher der Erreger erstmals registriert worden war, unter Quarantäne gestellt. Die Flug- und Zugverbindungen aus der Stadt wurden weitgehend gestoppt. Danach wurde in weiteren Großstädten der Provinz Hubei der öffentliche Verkehr weitgehend eingestellt, zuletzt in der 2,4-Millionen-Einwohner-Metropole Huangshi. Dort wurden neben dem öffentlichen Nahverkehr unter anderem der Fährhafen und eine Brücke über den Yangtse-Fluss geschlossen.

Metropole Wuhan gleicht einer Geisterstadt

In Qianjiang, einer Stadt mit fast einer Million Einwohnern, waren am Donnerstagabend der Verkehr von Fernbussen und der öffentliche Nahverkehr eingestellt worden. Zu den Städten, in denen der öffentliche Transport lahm lag, gehörte auch Huanggang, eine Metropole mit 7,5 Millionen Einwohnern. Die Festivitäten rund um den chinesischen Neujahrstag an diesem Samstag wurden vielerorts abgesagt, darunter in Peking. In der Hauptstadt wurden auch einige touristische Attraktionen geschlossen, darunter ab Samstag die Verbotene Stadt.

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Die Metropole Wuhan, wo das neuartige Virus erstmals festgestellt worden war, glich einer Geisterstadt. Die Straßen und Einkaufszentren waren leer, viele Geschäfte geschlossen. Nur noch wenige Flüge erreichten die Stadt. „Dieses Jahr haben wir ein sehr unheimliches Neujahr“, sagte ein Taxifahrer der Nachrichtenagentur AFP. „Wegen des Virus gehen die Leute nicht außer Haus.“ Auch aus anderen Ländern wurden einzelne Fälle des Virus gemeldet, darunter aus Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam und den USA.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzichtete dennoch in einer Krisensitzung darauf, den internationalen Gesundheitsnotstand auszurufen. Bisher gebe es außerhalb Chinas „keine Hinweise“ auf eine Übertragung des Krankheitserregers von Mensch zu Mensch, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zur Begründung. Das neue Virus soll anfangs von Tieren auf einem Markt in Wuhan übertragen worden sein. Es ähnelt dem gefürchteten Sars-Erreger. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.