Ein weiblicher Annakolibri, aufgenommen in Astoria, Oregon.
Foto: Imago Images/Robert L. Potts

Berlin/AstoriaKeine Frage, die Komposition aus leuchtend roten Schwertlilien und dem metallisch grün schimmernden Annakolibri (Calypte anna) ist apart anzusehen, ja fast schon gemäldetauglich. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der winzige, nur rund zehn Zentimeter lange Vogel unsere Aufmerksamkeit verdient.

Wir sehen hier ein Annakolibri-Weibchen, und es ist gut möglich, dass dieses Exemplar bald Besuch bekommt von einem paarungswilligen Männchen. Dieses wird die Herzensdame nicht einfach nur besingen oder mit aufgeplustertem Gefieder beeindrucken, wie es andere Vogelarten tun. Nein, nein, der nordamerikanische Kolibri hat da eindeutig mehr auf dem Kasten.

Zu seinem Balzritual gehören waghalsige Sturzflüge aus 30 Metern Höhe, an deren tiefstem Punkt ein markantes Geräusch steht. Wie die lauten Tschirpgeräusche entstehen, haben Biologen erst vor einigen Jahren herausgefunden: Nicht etwa der Stimmkopf erzeugt das Fiepen, sondern die  Schwanzfedern. Deren Innenseiten beginnen nämlich zu vibrieren, wenn das Männchen im Sinkflug die Geschwindigkeit von 23 Metern pro Sekunde überschreitet. Der dadurch hervorgerufene Ton befindet sich auf der Tonleiter vier Oktaven über dem Mittleren C.

So weit, so erstaunlich. Damit sich das ganze Gebalze auch lohnt, begattet das Männchen dann oft gleich mehrere Weibchen und trennt sich danach auch gleich wieder. Schöne Bescherung!