Berlin/Sydney - Den Teufel trägt Sarcophilus harrisii nicht zufällig im Namen: Die Ohren des größten noch lebenden Raubbeutlers färben sich bei Aufregung rot. Der Beutelteufel, auch als Tasmanischer Teufel bekannt, riecht auch recht streng und kann sehr laut kreischen. Sein mitunter aggressives Verhalten gegenüber einer geschlagenen Beute, der kräftige Kiefer und die verbissen ausgefochtenen Revierkämpfe untereinander lassen schnell falsche Annahmen aufkommen. Beutelteufel können zwar Tiere bis zur Größe eines kleinen Wallabys reißen, sie ernähren sich jedoch hauptsächlich von verendenden Tieren oder Aas, sind mithin wichtig für das Ökosystem und für den Menschen in der Regel nicht gefährlich. „Sympathy for the Devil“ sollte also das Motto gegenüber den bedrohten Tieren lauten.

Lange aber war das Gegenteil der Fall: Als die Europäer Australien ab 1788 besiedelten, ließen sie sich bald auch in Tasmanien nieder und begannen, die Beutelteufel zu essen. Sie betrachteten die Tiere als Bedrohung für ihren Viehbestand und setzten Prämien aus für einen erfolgreichen Abschuss. Fallen und Gift sorgten schließlich dafür, dass der Tasmanische Teufel kurz vor dem Aussterben stand. Erst seit 1941 steht er unter Schutz, der Bestand erholte sich – bis eine Gesichtskrebserkrankung den Tieren schwer zusetzte.

Ein natürlicher Gegenspieler von Füchsen und Wildkatzen

Bis heute sind die Tiere hauptsächlich auf der Insel südlich von Australien zu Hause, mittlerweile gibt es nur noch rund 25.000 Exemplare. Auf dem Festland hingegen gilt der Beutelteufel schon seit Tausenden von Jahren als ausgestorben, als verantwortlich für ihre Ausrottung dort gelten Dingos, australische Wildhunde. Doch seit dem vergangenen Herbst gibt es einen Lichtblick für die bedrohten Tiere: Die Artenschutzorganisation Aussie Ark hat gemeinsam mit anderen Naturschutzgruppen im Oktober 2020 erstmals 26 Beutelteufel auf dem australischen Festland ausgewildert – in einem Schutzgebiet in Barrington Tops, nördlich von Sydney. Ein gewollter Nebeneffekt: Der Beutelteufel ist ein natürlicher Gegenspieler von Füchsen und Wildkatzen, die bis heute etwa 40 Tierarten in Australien zum Aussterben gebracht haben.

AFP/Aussie Ark
Tim Faulkner mit einem seiner Schützlinge in Barrington Tops.

Und so ist die Freude bei den Artenschützern nun geradezu unbändig: Die ausgewilderten Tasmanischen Teufel haben Nachwuchs gezeugt. Damit sind erstmals seit ihrer Ausrottung auf dem australischen Festland vor 3000 Jahren wieder Tiere in Freiheit geboren worden. Die 26 Exemplare im 400 Hektar großen Schutzgebiet von Barrington Tops haben insgesamt sieben Jungtiere bekommen, berichtet Aussie Ark. Von „einem besonderen Babyboom“ sprechen die Naturschützer um Tim Faulkner auf Instagram. „Wir haben fast zehn Jahre lang unermüdlich daran gearbeitet, die Teufel in die Wildnis des australischen Festlandes zurückzubringen, in der Hoffnung, dass sie sich vermehren würden. Sobald sie zurück waren, lag es ganz bei ihnen. Wir beobachteten sie von weitem, bis die ersten Geburten bestätigt waren. Was für ein Moment!“

Als die Ranger die Beutel der Weibchen kontrollierten, fanden sie die sieben Babys „bei bester Gesundheit“. Naturschützer stufen das Wiederansiedlungsprogramm für die Tasmanischen Teufel als „historisch“ ein, vergleichbar mit der Rückkehr der Wölfe in den Yellowstone-Nationalpark in den USA in den 1990er-Jahren.

Aussie Ark will in den kommenden Jahren noch weitere Tasmanische Teufel in dem Schutzgebiet ansiedeln, das zur Abwehr von gefräßigen Feinden und zum Schutz vor dem Straßenverkehr umzäunt ist. Auch die Ansiedlung von Beutelmardern, Nasenbeutlern und Felskängurus ist geplant.