Eine Droge aus dem Dschungel hat es in die New Yorker Hinterzimmer der Hipster geschafft. Zumindest widmete das US-Magazin „New Yorker“ Ayahuasca kürzlich einen mehrseitigen Artikel mit dem Titel „The drug of choice in the age of Kale“ – „Die Droge der Wahl im Zeitalter des Kohls“. Darin kommt unter anderem die US-Forscherin Leanna Standish von der University of Washington School Medicine zu Wort: Sie schätzt, dass „in jeder beliebigen Nacht in Manhattan hunderte Ayahuasca-Sessions über die Bühne gehen.“

Und der sogenannte „Selbsthilfe-Guru“ Tim Ferriss erklärt im Artikel, dass Ayahuasca an seinem Heimatort San Francisco einfach überall sei: „Ayahuasca ist hier, wie eine Tasse Kaffee zu trinken“. Selbst im Silicon Valley soll die Droge laut New Yorker sehr beliebt sein.

Wie sieht es in Deutschland aus? Drogenberatungsstellen in Großstädten wie Berlin und Köln geben auf Nachfrage an, kaum Berührungspunkte mit der Droge zu haben. Vielleicht ist dieser Trend bis zu den deutschen Kale-Smoothie-, Detox- und Achtsamkeits-Anhängern noch nicht durchgedrungen.

Uralte Droge aus dem Amazonasgebiet ist jetzt  Trend im Big Apple

Ayahuasca – das klingt jedenfalls gar nicht hip, sondern nach verstaubten Traumfängern und Panflöten-Gedudel. Doch die uralte Droge aus dem Amazonasgebiet scheint im Big Apple tatsächlich der heißeste Scheiß zu sein. Dabei handelt es sich um ein Gebräu, das im südamerikanischen Amazonasgebiet aus einer Liane und den Blättern eines Kaffeegewächses gewonnen wird. In Ländern wie Peru gilt Ayahuasca seit Jahrtausenden als Heilmittel und ist dort daher auch legal.

Die Droge wirkt psychedelisch, soll Empfindungen verstärken, in Trance versetzen und unter Umständen auch für so etwas wie „Seelenfrieden“ sorgen. Sie birgt allerdings auch große Gefahren und kann etwa Psychosen auslösen.

Zurück zu den Wurzeln, zurück zur Natur

Zurück zu den Wurzeln, zurück zur Natur: Diesen allgemeinen gesellschaftlichen Trend scheint sich auch in dem Hype um die „natürliche“ Droge aus dem Dschungel auszudrücken, die von indigenen Völkern seit jeher in rituellen Zeremonien eingesetzt wird.

 „Wenn Kokain den schnellen, gierigen Ethos der 1980er Jahre ausgedrückt und erweitert hat, dann spiegelt Ayahuasca unsere Gegenwart wider“, schreibt Ariel Levy im New Yorker. „Es ist eine Zeit, die vom Streben nach Wellness charakterisiert wird, in der viele Amerikaner sich nach Achtsamkeit, Entgiftung und organischen Produkten sehnen“, so Levy. Und, das wohl entscheidendste Merkmal des Zeitgeistes: „Wir sind bereit für unsere Beseeltheit zu leiden“.

Vor dem Rausch muss man sich mehrfach übergeben

Und eine Séance mit Ayahuasca sei eben keine Vergnügungsfahrt, weil die meisten der Konsumenten sich mehrfach übergeben müssen, bevor sie in einen Rausch verfallen. Das Ayahuasca-Gebräu soll so ekelhaft sein, dass es unvermittelt einen Würgereiz auslöse.

Für alle Detox-Anhänger: Ayahuasca ist sozusagen die Steigerung von Entgiftungs-Kuren mit Säften. Nicht nur der Körper soll danach rein sein, auch der Geist wird gereinigt von allem Überflüssigen.

„Lagune aus Erbrochenem“

Auch in den USA wird die Droge wohl meistens in Gruppen während so genannter „Zeremonien“ unter Aufsicht eines „Ayahuasquero“ eingenommen. Dabei dürfte es sich eher selten um „echte“ Schamanen aus dem Dschungel handeln, sondern einfach um einen findigen  Dealer mit Zugang zu Ayahuasca.

Die Autorin, die ebenfalls an einer Session teilnimmt, beschreibt, wie sich der Raum schließlich in eine „Lagune aus Erbrochenem“ verwandelt. Wahrscheinlich hätte man mit weniger Aufwand und ein paar faulen Eiern einen ähnlichen Effekt erzielen können. (rer)