Berlin/Akkeshi - In Deutschland gibt es ja schon lange keine wildlebenden Braunbären mehr. Taucht dann doch mal ein wandernder Grenzgänger auf, ist die Aufregung groß – Stichwort Problembär. Etwas anders stellt sich die Ausgangssituation in Asien dar. Größere Bestände von Ursus arctos gibt es in den Ländern der früheren Sowjetunion und in China, eine Population lebt zudem auf der japanischen Insel Hokkaido. 

Auch dort allerdings, so schreibt es die Tageszeitung Hokkaido Shimbun Press, wird der Braunbär immer häufiger zum Problembären. In den Gemeinden Akkeshi und Shibecha seien in diesem Sommer bereits neun Fälle aufgetreten, in denen Braunbären grasende Milchkühe angegriffen hätten, heißt es in einem Bericht. Die Vorfälle begannen demnach 2019, seither seien insgesamt 52 Tiere getötet oder verletzt worden. Mit aufgestellten Fallen haben beide Orte bislang keine Erfolge erzielt. Nun will man mit der „Erforschung flächendeckender Maßnahmen“ beginnen.

Die weidenden Kühe, die des Nachts angegriffen wurden, wiesen Bisswunden am Bauch und Krallenspuren am Rücken auf. Die Bären sollen durch Drahtzäune eingedrungen sein. Eine DNA-Analyse der vorgefundenen Fellhaare zeigte, dass es sich beim Angreifer in Shibecha wahrscheinlich immer um ein und denselben Bären mit einem geschätzten Gewicht von 300 Kilogramm handelte.

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Warnschild vor Bären entlang einer Straße in der Präfektur Gifu auf Honshu.

Unter Viehhaltern geht nun die Angst um. Schon patrouillieren Jäger, umliegende Bäume werden gefällt, um mögliche Versteckplätze der Bären zu beseitigen. Die Höhe des Schadens in diesem Jahr habe fast 20 Millionen Yen erreicht, heißt es, das sind umgerechnet 150.000 Euro. Alle Versuche, das Tier einzufangen, scheiterten bislang.

Nun sind Bären in Japan nichts Ungewöhnliches. Auf Hokkaido leben Tausende Braunbären, auf der Hauptinsel Honshu mit der Hauptstadt Tokio tummeln sich in den Bergen viele asiatische Schwarzbären, die sogenannten Kragenbären.

Kragen ist ein gutes Stichwort: Der weidenplündernde Übeltäter sollte sich vom Milchvieh wohl besser fernhalten, sonst geht es ihm an selbigen. Nur, wie bedeutet man’s dem Bären? In Japan deutet sich im schon immer seltsamen Verhältnis zwischen Mensch und Bär eine Verschiebung an. Eine überalterte, zahlenmäßig schrumpfende Gesellschaft mit der Tendenz zum urbanen Leben gibt dem Tier mehr Raum. Bären kommen in die Dörfer, näher an die dort verbliebenen Menschen, das führt zu Konflikten. Die Koexistenz von Wildtier und Mensch bleibt eine gewaltige Zukunftsaufgabe – überall auf der Welt.