Aktuell brechen die Bestände der Madagaskar-Strahlenschildkröte durch den übermäßigen Fang für den Tierhandel zusammen.
Foto: Craig Stanford

BerlinWenn das keine Nachricht zum Abtauchen ist, dann wissen wir es auch nicht: Mehr als die Hälfte der 360 Schildkrötenarten ist vom Aussterben bedroht. Aber den Kopf ins Wasser stecken gilt nicht, stattdessen sind sich 51 Experten aus aller Welt einig: Es muss etwas geschehen, um die Panzertiere zu retten. Ein Handelsverbot für Wildfänge könnte zum Schutz der Tiere beitragen, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal Current Biology.

Laut der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung werden jedes Jahr weltweit Hunderttausende von Schildkröten für den Wildtierhandel gesammelt, vor allem um sie als Heimtiere zu halten oder – insbesondere in Ostasien – sie zu essen. Ein Fall von vielen verdeutlicht die Ausmaße des Geschäfts: Im Mai beschlagnahmten die mexikanischen Behörden 15.000 Schildkröten, die nach China geschmuggelt werden sollten. In Madagaskar wurden im Jahr 2018 binnen weniger Monate 18.000 Tiere konfisziert.

„Viele Schildkrötenarten leben sehr lange und legen nur wenige Eier. Das bedeutet, dass gerade solche Arten durch das Abfangen von geschlechtsreifen Weibchen in kürzester Zeit ausgerottet werden können“, sagt der Dresdner Senckenberg-Forscher Uwe Fritz. Wenn der Handel nicht verboten oder eingeschränkt werde, verliere man in den nächsten Jahren zahlreiche Schildkrötenarten unwiederbringlich.

Fritz hat gemeinsam mit anderen Fachleuten die globale Studie zum Gefährdungsstatus der Schildkrötenarten verfasst. Demnach sind sie weltweit eine der am stärksten bedrohten Tiergruppen überhaupt. Daher empfiehlt sich etwas sehr Schildkröten-Untypisches: schnelles Handeln.