Berlin - Es ist ein Wort, das Angst macht: Darmkrebs! Jeder hofft, dass er davon verschont bleibt. Doch trotz vieler Vorsorge-Angebote und verbesserter Früherkennung erkranken allein in Deutschland pro Jahr immer noch fast 60.000 Patienten – darunter 33.000 Männer – an einem Tumor des Darmtraktes. Erschreckend dabei: Immer öfter sind auch junge Menschen zwischen 50 und 70 Jahren betroffen.

„In all diesen Fällen ist die Operation nach wie vor der wichtigste Behandlungsschritt, um die Krankheit erfolgreich zu behandeln“, sagte Chirurgie-Chefarzt Thomas Schiedeck aus Ludwigsburg.

Essenziell für den Therapieerfolg sei aber auch, dass Krebsoperationen in einer auf das jeweilige Krankheitsbild spezialisierten Klinik erfolgen. „Doch noch immer“, klagt Schiedeck, „begeben sich viele Patienten in nicht ausreichend qualifizierte Krankenhäuser und erhalten deshalb nicht die bestmögliche Therapie.“

Die Entfernung des Tumorgewebes

Die Heilungschancen bei Darmkrebs haben sich in den vergangenen Jahren stetig verbessert: Mehr als die Hälfte der Patienten überlebt die Krankheit heute zehn Jahre und länger. Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Darmkrebs ist die vollständige Entfernung des Tumorgewebes.

„Weitere Therapien wie etwa Chemo- oder Immuntherapie kommen zwar oft ergänzend hinzu“, so Schiedeck. „Ohne Chirurgie jedoch ist beim Darmkrebs keine Heilung möglich.“ Deshalb sei die Wahl einer geeigneten Klinik für Krebspatienten entscheidend.

Das bestätigt auch Siegbert Faiss, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I am Sana Klinikum Lichtenberg und einer von Berlins renommiertesten Darmkrebs-Spezialisten: „Krebsoperationen am Magen-Darm-Trakt werden in Deutschland an vielen Kliniken angeboten. Der Operationserfolg aber fällt je nach Krankenhaus sehr unterschiedlich aus. Viele Patienten sterben zu früh, weil sie in Klinken operiert werden, die zu wenig Erfahrung mit komplizierten Krebs-OPs haben. Das ist leider auch in Berlin so.“

Diese Meinung wird von einer wissenschaftlichen Studie des Fachgebietes Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin bestätigt.

Sterberate um 27 Prozent höher

Die Forscher verglichen die Ergebnisse von Krebsoperationen zwischen Kliniken, die viele Darmkrebs-Operationen durchführen und kleinen Kliniken, die nur wenige dieser Eingriffe machen. Das Ergebnis: In den Kliniken mit den wenigsten Operationen versterben rund 27 Prozent mehr Patienten nach dem Eingriff als in den Kliniken mit den höchsten Fallzahlen.

Hinzu kommt: Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen wird in Kliniken, die über wenig Erfahrung verfügen, mitunter gar keine Operation mehr angeboten. „Häufig fehlt dort die Erfahrung und das Wissen, dass heute sogar Patienten mit metastasierendem Krebs durch eine OP geheilt werden können oder ihr Leben deutlich verlängert werden kann“, sagt Schiedeck.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, nicht nur bei Darmkrebs, sondern auch mit anderen Tumorerkrankungen am besten, in spezialisierte Zentren zu gehen, die über ausreichend Erfahrung und Routine mit solchen großen Eingriffen verfügen. „Um Krebschirurgie auf höchstem Niveau zu erbringen, müssen diese Kliniken personell und apparativ hervorragend ausgestattet sein“, sagt Schiedeck.

Deutsche Krebsgesellschaft DKG zertifiziert Kliniken 

„Diese teure Ausstattung, aber auch das notwendige Personal kann jedoch selbst in einem Wohlfahrtsstaat wie Deutschland nicht in jedem Krankenhaus ausreichend zur Verfügung gestellt werden.“

Deshalb sollten sich Patienten und Angehörige genau informieren, welche Adressen hier infrage kommen. Der Berliner Experte Siegbert Faiss rät: „Ein gute Möglichkeit besteht zum Beispiel darin, Kliniken auszuwählen, die von der Deutschen Krebsgesellschaft DKG für die jeweilige Tumorart zertifiziert wurden.“