Der Fuchs ist ein aufmerksamer Beobachter.
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BerlinOben orangerotes Fell, unten weißes, dazu ein buschiger Schwanz und bernsteinfarbene Augen: Füchse sind ausnehmend schöne Tiere. Sie faszinieren die Menschen schon sehr lange: Etwa 15.000 v. Chr. malte man sie in Lascaux und Altamira an Höhlenwände, ihre Knochen fanden sich in urzeitlichen Tempeln, indische, germanische, japanische Gottheiten hatten Füchse an ihrer Seite oder verwandelten sich in sie. Goethe schrieb „Reinecke Fuchs“, Reime und Kinderlieder besingen seine Lust auf Geflügel, Märchen, Novellen, Romane widmen sich seinem Überlebenstalent, seiner kriminellen Energie und sinnlichen Ausstrahlung.

Katrin Schumacher streift in ihrem Buch sichtlich fasziniert durch Wälder, Kürschnerwerkstätten, Kunst- und Literaturgeschichte, beleuchtet die erotischen Qualitäten des rostroten weichen Fells, den Charme, die sprichwörtliche Schlauheit und vermeintliche Hinterlist seines Trägers. Natürlich informiert sie auch über Biologie und Lebensgewohnheiten des Fuchses, der aber, so viel ist nach der Lektüre dieses Buchs klar, in Büchern und Kunst mindestens ebenso lebendig ist wie tief im Wald – oder mitten in Berlin. Aus all dem, lässt sich, unterstützt von den Überlegungen Schumachers, nicht nur einiges über ein Wildtier, sondern auch über Menschen und ihre jeweiligen Projektionen, Vorlieben und Fantasien lernen.

Füchse. Ein Porträt von Katrin Schumacher. Naturkunden No. 60, hg. von Judith Schalansky, Matthes & Seitz, Berlin 2020, 137 S., 20 Euro.

Wilde Nachbarn

Ein Plädoyer fürs gelingende Zusammenleben von Mensch und Fuchs ist das Buch der britischen Ökologin Adele Brand, die ihre Naturbeobachtungen übrigens auch auf ihrer Website teilt. Sie kümmert sich beruflich um Tiere und ihre Umwelt und blickt aus dieser Perspektive auf den Fuchs, den sie, das ist deutlich zu spüren, sehr gern hat. Sie schildert die Entwicklung dieses kleinen Fleischfressers vom Pleistozän bis heute, begleitet ihn durch Eiszeiten bis in die Londoner Innenstadt. An vielen Beispielen, meist sind es eigene Erlebnisse mit Füchsen, erklärt sie deren Verhalten und Körperbau, Sozialverhalten und Überlebensstrategien.

Wie Katrin Schumacher wirft auch sie einen Blick auf die Spuren, die das Pelztier mit der spitzen Schnauze in der menschlichen Kultur hinterließ, legt den Schwerpunkt aber auf konkrete Begegnungen mit ihm. Denn auf der ganzen Welt leben immer mehr Füchse in Städten, werden dort begrüßt oder machen Angst, verwischen die Grenze zwischen Natur und urbanem Raum. Brand ist eine Naturwissenschaftlerin, die informieren, aber auch begeistern möchte. Ihre Beschreibungen lassen Füchse in Wüsten, Urwäldern, in ihrem Garten oder Großstädten, ja solche, die Bus und Straßenbahn fahren, sehr lebendig werden. Es ist lehrreich und ein Vergnügen, das zu lesen und macht Lust, die „Werkzeugkiste für Fuchsfreunde“ zu nutzen, mit der sie uns ganz zum Schluss des Buchs Wildkamera, Spurenlesen und andere Beobachtungsmöglichkeiten nahebringt.

Adele Brand: Füchse. Unsere wilden Nachbarn. Aus dem Englischen von Beate Schäfer, C. H. Beck, München 2020, 207 S., 22 Euro.