Berlin - Es heißt: Eine große Impfskepsis herrscht in sogenannten migrantischen Communitys. Auf den Seiten verschiedener Berliner Bezirksämter ist die Rede von „erheblichen Informationsdefiziten“ und daraus resultierenden „Vorbehalten“ in diesen Bevölkerungsgruppen. Viele Türken lassen sich nicht impfen. Genauso wie Araber, Polinnen oder Albanerinnen – darüber scheinen sich die politisch Verantwortlichen einig zu sein. Dabei werden keine Daten erhoben. Nirgends wird statistisch erfasst, wer eine Einladung erhält und sie nicht wahrnimmt. Schon gar nicht werden Migranten gesondert betrachtet. Es handelt sich um gefühlte Fakten – festgeankert in den Köpfen der Bezirksbürgermeister und in Teilen auch der Gesellschaft selbst.

„Es ist pauschalisierend, von migrantischen Communitys als einer homogenen Gruppe zu sprechen“, sagt die Ärztin Vera Piechulla vom Gesundheitskollektiv Berlin. „Geflüchtete Menschen aus Syrien, EU-Einwanderer aus Spanien oder Griechenland, US-Amerikanerinnen, die im künstlerischen Bereich tätig sind, arabische oder russische Communitys oder Menschen aus dem Balkangebiet – sie alle kann man nicht in einen Topf werfen“, sagt sie. Die städteübergreifende Bewegung mit mehr als 20 Mitarbeitenden aus Sozialarbeit, Pflege, Medizin, Gesundheitswissenschaften, Pädagogik sowie Psychotherapie plant im Herbst ein Gesundheitszentrum in Neukölln zu eröffnen, um einen niedrigschwelligen Zugang zu Gesundheit, Beratung und Information zu ermöglichen. Das Ziel: eine medizinische Versorgung für alle, bei der auch Beschäftigungsverhältnisse, Rassismuserfahrungen oder Altersarmut der Patientinnen und Patienten mitgedacht und gemeinsam Lösungen entwickelt werden sollen.

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