Berliner Apotheken-Drama: Wenn ein Medikament absolut nicht lieferbar ist

Unser Autor hatte eine fiese Angina und wollte nur ein Rezept für Penicillin einlösen. Es wurde kompliziert – und eine Odyssee durch sieben Apotheken.

Eine Pharmazeutin in einer Apotheke.
Eine Pharmazeutin in einer Apotheke.imago/Westend61

Eine Angina ist eine unschöne Angelegenheit. Aber zum Glück hat ein gewisser Herr Fleming Mitte des 20. Jahrhunderts das Penicillin (wieder-)entdeckt. Da gibt’s doch was von Ratiopharm. Oder von Bayer. Oder von Stada. Irgendwas jedenfalls verschreibt mir meine Ärztin – doch irgendwas ist leider zu präzise.

„Da gibt’s Lieferschwierigkeiten“, sagt die Pharmazeutin in der ersten Apotheke, die ich noch einigermaßen enthusiastisch betrete (so enthusiastisch, wie man mit einer Mandelentzündung eben sein kann). Genau dieses Mittel, das da auf dem Rezept steht, sei nicht verfügbar, heute nicht und auch nicht morgen.

Da schwant mir schon Böses und tatsächlich: Auch Apotheke Nummer zwei hat das verschriebene Mittel nicht vorrätig und „man kann das auch nicht nachbestellen“. Immerhin zeigt man sich hier lösungsorientiert: Wenn sich auch in den anderen Apotheken nichts fände, solle ich noch einmal wiederkommen, dann werde man sich etwas überlegen.

„Haben wir nicht da“ – keine konstruktiven Lösungen

Ich bin positiv überrascht, wie viele Apotheken es fußläufig in meinem Kiez gibt, doch genervt, dass ich sie alle abklappern muss. Und immer wieder enttäuscht. Nicht nur, weil es das Mittelchen wirklich nirgendwo gibt, sondern auch über den mauen Kundenservice – konstruktive Lösungsvorschläge bieten mir die wenigsten der sieben Apotheken an. Meist heißt es bloß: „Haben wir nicht da.“ Und bestellbar ist es auch nicht – ja, ich weiß.

Also zurück zu Apotheke Nummer zwei, die vorschlägt, ein neues Rezept ausstellen zu lassen. Ich hatte irgendwie mehr erwartet, aber immerhin. „Was haben Sie denn da?“, frage ich, schon fürchtend, dass die Ärztin wieder etwas verschreibt, das gar nicht verfügbar ist. Und ich würde jetzt gerne wieder ins Bett gehen. Also schreibt mir die Apothekerin einen Zettel mit jedwedem Penicillin, das bei ihr verfügbar ist und infrage kommt.

Zurück in der Praxis winkt mich die Arzthelferin gleich nach vorne und lässt ein neues Rezept ausstellen. Ich bin schon etwas benebelt und bemerkte die Brisanz nicht, als sie sagt: „Hier auf dem Zettel steht 30 Tabletten, das ist zu viel, sagt die Ärztin. Das Rezept ist für 20 ausgestellt.“

Falsche Packungsgröße führt zu einem neuen Rundgang durch die Apotheken

„Hatte ich nicht 30 aufgeschrieben?“, fragt also die Apothekerin, die eine 20er-Packung natürlich nicht vorrätig hat. „Da müssen Sie jetzt leider noch einmal woanders nachfragen“, sagt sie. Wir seufzen.

In der nächsten Apotheke gibt es zwar 20 Tabletten, aber nicht am Stück. „Ich habe nur 10er-Packungen da“, sagte die Apothekerin, der ich mit Adam Riese nicht zu kommen brauche, denn: „Zwei 10er-Packungen kosten deutlich mehr als eine 20er-Packung. Das zahlt die Kasse nicht.“ Sie könne mir eine Packung geben, für die andere bräuchte ich ein neues Rezept.

Was ich wirklich bräuchte, wäre dringend etwas Bettruhe. „Kann ich die nicht selbst zahlen?“, frage ich also, allmählich verzweifelt. Ich kann. Und kaufe mir für gut 17 Euro den direkten Weg zurück ins Bett. Privatpatient auf eigene Faust, auch ein Erlebnis.