Berlin - Der akute Pflegenotstand hat nun auch Berliner Kinderkliniken getroffen. Wie der Verband der Leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen in einer aktuellen Pressemitteilung schreibt, müssten viele Patientenbetten für die kinder- und jugendmedizinische Versorgung gesperrt werden. In den vergangenen Tagen habe sich die Lage so sehr zugespitzt, dass junge Menschen, die stationär aufgenommen werden mussten, wegen Pflegemangel nicht versorgt werden konnten und nach Brandenburg verlegt wurden.

Dies gehe insbesondere für Eltern mit organisatorischen Schwierigkeiten einher, so die Mediziner um Beatrix Schmidt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Joseph Krankenhauses in Tempelhof, und Frank Jochum, Chefarzt der Klinik für Neugeborenenmedizin des Martin Luther Krankenhauses. Andere Patientinnen und Patienten seien beispielsweise trotz hoher Entzündungsanzeichen nach Hause geschickt worden, die Angehörigen mussten sich selbst um eine anderweitige stationäre Aufnahme kümmern. Ein solches Vorgehen sei gefährlich, sagen Schmidt und Jochum.

Viele Kinderkliniken würden zudem berichten, dass Kinder und Jugendliche in fachfremden Abteilungen untergebracht werden müssen, wie zum Beispiel Mädchen auf gynäkologischen Stationen.

Der Verband appelliert an die Politik, sich dringend und so schnell wie möglich um die medizinische Versorgung der Berliner Kinder und Jugendlichen zu kümmern. Als eine Sofortmaßnahme schlagen die Ärzte vor, die Pflegepersonaluntergrenzen auszusetzen – zumindest dann, wenn die pädiatrische Versorgung wegen Bettenmangel nicht mehr gesichert sei, heißt es in der Mitteilung. Die Untergrenzen werden als maximale Anzahl von Patientinnen und Patienten pro Pflegekraft festgelegt, allerdings ohne den unterschiedlichen Pflegebedarf der einzelnen Kranken zu berücksichtigen. Unterschieden wird zwischen Tag- und Nachtschichten.