Dhaka - Zwanzig Jahre hat die Polizei von Bangladesch ihn gejagt. Jetzt wurde der berüchtigte Wilderer Habib Talukder, 50, endlich geschnappt. Der auch „Tiger Habib“ genannte Mann gehörte zu den meistgesuchten Verbrechern des Landes, wie die Dhaka Tribune berichtet. Es haben drei Haftbefehle gegen ihn vorgelegen, der Zugriff sei am Wochenende nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung erfolgt. Insgesamt soll Talukder 70 der bedrohten Königstiger getötet haben.

„Ein gefährlicher Mann, der alleine gegen Tiger kämpfen konnte.“

Sein Jagdrevier waren die Sunderbans-Mangroven-Wälder an der Grenze zwischen Indien und Bangladesch, einer der größten Lebensbereiche der Königstiger auf der Welt. Talukder sammelte hier ursprünglich den Honig wilder Bienen, bevor er zum Wilderer wurde. „Wir respektieren und fürchten ihn zugleich“, sagte der Honigsammler Abdus Salam gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Er ist ein gefährlicher Mann, der alleine gegen den Tiger im Wald kämpfen konnte.“

Der Königstiger (Panthera tigris tigris) ist auch unter den Namen Indischer Tiger oder Bengal-Tiger bekannt – und das Nationaltier von Indien sowie Bangladesch. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Großkatze auf der Roten Liste als „gefährdet“ (endangered) ein. Die gesamte Population wird auf weniger als 2500 Individuen geschätzt. Königstiger waren vor einigen Jahrhunderten noch von Pakistan bis Myanmar über den gesamten Indischen Subkontinent verbreitet.

Ein toter Tiger bringt auf dem Schwarzmarkt über 15.000 Euro

Königstiger sind einzigartig unter den großen Raubkatzen. Sie können im Brackwasser der Mangrovenwälder leben und jagen, weil sie eben nicht wasserscheu, sondern im Gegenteil sehr gute Schwimmer sind. Das Fell, die Knochen und sogar das Fleisch der Tiger wird auf dem Schwarzmarkt in China und anderen Ländern verkauft – zumeist als Wundermedizin. Der Handel ist lukrativ, Käufer zahlen pro Tier umgerechnet über 15.000 Euro – sehr viel Geld in einer der ärmsten Regionen der Welt.

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Bemerkenswerte Eigenschaft einer Katze: Königstiger gehen gern auch mal ins Wasser.

In Bangladesch fiel der Bestand der Königstiger laut Waldbehörde im Jahre 2015 auf einen Tiefstand von 106 Exemplaren, schreibt die Dhaka Tribune. Im Jahr 2004 hatte es noch 440 Exemplare gegeben. Bis 2019 erhöhte sich die Zahl leicht auf 114. Dazu trug ein verstärkter Einsatz gegen Wilddiebe bei. Vor diesem Hintergrund versteht sich auch die Festnahme Talukders: Der Wilderer sei eine „große Bedrohung für die Biodiversität des Waldes“ gewesen, wird ein Waldschützer zitiert.

Der WWF hatte 2020 neue Bestandsdaten veröffentlicht und nach dem rasanten Rückgang der Tiger in den letzten Jahrzehnten von einem „bemerkenswerten Comeback“ gesprochen. Die Naturschutzorganisation verwies allerdings auch auf die fortgesetzte Bedrohung der Großkatzen durch den Menschen. Die illegale Wilderei und die Zerstörung der Wälder – seinem natürlichen Lebensraum – brachten und bringen die Tiere an den Rand der Ausrottung.