BerlinHat jemand von euch damals den Film „Kindergarten Cop“ mit Arnold Schwarzenegger gesehen? Mittlerweile läuft er nicht mehr in den Kinos oder seltener, weil er wohl einige rassistische Ressentiments bedient. Das soll hier nicht das Thema sein. Ich erinnere mich vor allem an den sonst so knallharten Polizisten John Kimble (gespielt von Schwarzenegger), der ins Schwitzen kommt, als ihn die Kinder mit ihren Fragen, ihrer Ehrlichkeit und ihrem Witz aus dem Konzept bringen.

Ich bin nicht Arnold Schwarzenegger und auch kein Polizist. Bei beidem würde ich eher eine schlechte Figur abgeben. Aber vor Kindern schwitzen, das kenne ich. Wir werden regelmäßig von Schulen und Kindergärten eingeladen, um mit den Kleinen und Großen zu besprechen, was es eigentlich heisst, sich zu verabschieden. Es muss ja nicht immer gleich jemand sterben. Mit den ganz Großen kann man das teilweise wunderbar im Deutschunterricht machen, wenn die passende Literatur gelesen wird. Gerade in den Dramen, die auf dem Lehrplan stehen, wird ja gerne und viel gestorben. In der Literatur der unteren Klassen geht es oft um weggezogene Freunde, Haustiere von denen man sich verabschieden musste oder Oma und Opa, die nicht mehr leben. Aber auch die ganz Kleinen im Kindergarten haben schon eine Vorstellung vom Tod, wenn auch oft eine ganz eigene.

Allen Altersstufen ist aber eines gemein: sie stellen immer Fragen, die mich überraschen. Sie stellen Fragen, die so klar kein Erwachsener stellt. Oft weiß ich darauf selbst keine Antwort. Und es sind immer wieder neue Fragen. Als wenn sie sich abstimmen würden: Was hat man Eric noch nicht gefragt und wie können wir ihn aus dem Konzept bringen? Dann frage ich mich, ob die eine E-Mail-Verteiler haben? Man weiss es nicht.

Wir bringen zu den Veranstaltungen immer einen Sarg mit, gerne auch eine Urne, unseren Trauerhund Paul und einen schönen alten Leichenwagen. Aber das ist den Rabauken und Raubaukinnen nicht genug, sie wollen uns schwitzen sehen. Das gelang einer Gruppe Fünfjähriger neulich wieder ganz vortrefflich.

„Tut es eigentlich weh, wenn man verbrannt wird?“, fragten sie. Zu schnell ist man verleitet zu sagen: „Nein, man spürt ja nichts mehr! Aber dann setzen die kleinen Monster zum Dolchstoss an: „Woher weisst du das denn?“ Der Schweiss läuft bereits in Bächen meinen Nacken herunter. Doch dann kommt schon das nächste Problem: Erklärt den Kleinen mal, was ein Hirntot ist! Dagegen müssen sich Gespräch mit dem Bundesstaatsanwalt, wie eine gemütlich Teestunde anfühlen.

„Wie fühlt sich ein Verstorbener an? Wie sieht man, dass der tot ist?“ Meinen Vergleich mit dem kalten Hühnchen aus dem Kühlschrank habe ich nur einmal gebracht, bis uns eine zu recht erboste Mutter kontaktierte, dass ihr Kind kein Hühnchen mehr isst. Sorry!

Aber wie gesagt, wenn ich mir dann für den nächsten Besuch eines Kindergartens oder einer Schule eine gute Antworte überlegt habe, sind die kleinen Racker gedanklich schon wieder ganz woanders: „Kannst Du mich in eine Mumie verwandeln?“, „Ist es schön im Himmel?“, „Warum gibt es schlimme Krankheiten, an denen man stirbt?“ und „Warum heisst es Bestatter?“

Zumindest die Bestatter-Frage konnte ich schwitzend beantworten: Weil wir Menschen an die letzte Stätte bringen. Puh, die Ehre war damit zumindest halbwegs gerettet. Und natürlich fallen mir auf alle Fragen irgendwann auch Antworten ein. Und ich fände es schön, wenn mir solche Fragen auch Erwachsene stellen würden.

Also, traut euch und schreibt mir! Wir suchen Antworten.