Bluterguss: Mediziner erklärt: Warum bekommen manche Menschen schneller blaue Flecken als andere?

Köln - Wir stoßen uns mit dem Kopf an der niedrigen Decke oder prallen mit dem Oberschenkel gegen die Tischkante: Der Schmerz ist kurz, doch die entstandenen blauen Flecken bleiben ein paar Tage. Meistens sind sie harmlos, doch nicht immer. Und sie werfen aber viele Fragen auf. Warum zum Beispiel bekommen manche Menschen viel schneller blaue Flecken als andere?

Professor Sebastian Schellong ist Arzt für Innere Medizin, Angiologie und Hämostaseologie und Chefarzt im Städtischen Klinikum Dresden. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Angiologie, Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Herr Professor Schellong, was genau sind eigentlich blaue Flecken?

Prof. Schellong: Was Laien als „blaue Flecken“ bezeichnen, sind Blutergüsse, die zum Beispiel durch einen Stoß oder Aufprall entstehen: Blutgefäße zerreißen und bluten in oder unter die Haut ein. Ein Sonderfall sind blaue Flecken am Kopf. Da die sogenannte Kopfschwarte besonders gut durchblutet ist, entstehen hier häufig zusätzlich Beulen, wenn wir uns stoßen.

Was passiert da im Körper? Warum verbluten wir nicht innerlich?

Prof. Schellong: Ein ausgeklügelter Mechanismus des Körpers verhindert das. Sobald der Körper merkt, dass Blut das Gefäßsystem verlassen hat, wirft er die Blutgerinnung an und verstopft das Loch an der Stelle, wo das Blut austritt – und zwar innerhalb von Sekunden. Anschließend wird das schon ausgetretene Blut beseitigt – bis der blaue Fleck schließlich nicht mehr zu sehen ist.

Warum sind die Flecken eigentlich blau und warum werden sie schließlich grün-gelb, bevor sie ganz verschwinden?

Prof. Schellong: Der rote Blutfarbstoff bindet viel Sauerstoff. Sobald das Blut aber austritt, gibt es Sauerstoff ans Gewebe ab und das Hämatom leuchtet lila bis blau. Um das ausgetretene Blut abzubauen, schickt der Körper Eiweiße los und der Fleck verfärbt sich grün-gelb.

Manche stoßen sich leicht an der Tischkante und haben schon einen blauen Fleck, andere fallen vom Fahrrad und sind kaum lädiert. Woran liegt es, dass manche Menschen schneller blaue Flecken bekommen als andere?

Prof. Schellong: Einige Menschen haben eine Veranlagung dazu. Der Grund dafür ist, dass die Umhüllungen der winzigen Haarnadelgefäße, also der Kapillaren, bei ihnen verletzlicher sind. Frauen sind von diesem Phänomen deutlich häufiger betroffen als Männer.

Lässt sich damit auch erklären, warum manche blaue Flecken haben, ohne dass sie sich an einen Stoß oder Aufprall erinnern könnten?

Prof. Schellong: Ja, bei manchen Menschen entsteht schon ein blauer Fleck, wenn sie jemand am Arm fasst oder wenn sie sich ganz leicht stoßen. Sie können sich aber nicht daran erinnern, weil es nicht wehgetan hat.

Sind blaue Flecken denn ungefährlich?

Prof. Schellong: Ja, in der Regel sind sie harmlos und verschwinden je nach Größe nach ein paar Tagen. Bei Menschen, die„Blutverdünner“ wie zum Beispiel Aspirin oder Marcumar einnehmen, ist die Blutgerinnung allerdings verlangsamt und daher die Bereitschaft zu Blutungen erhöht. Unerwartet viele blaue Flecken können auf eine Überdosierung hinweisen, die vielleicht gefährlich werden kann.

Wann sollte man wegen der Blutergüsse zum Arzt gehen?

Prof. Schellong: Wenn man an der Stelle großen Druck verspürt: Eventuell hat sich dort eine sogenannte Hämatom-Höhle gebildet, die durch einen Schnitt entlastet werden muss. Wenn man früher nicht schnell blaue Flecken davongetragen hat und sich das plötzlich ändert, kann das auf einen Fehler im Gerinnungssystem hindeuten, was Mediziner überprüfen sollten. Dasselbe gilt für plötzlich auftretende stecknadelkopfgroße Einblutungen in die Haut oder für unerwartet große Blutergüsse ohne ersichtlichen Anlass.

Kann man irgendetwas tun, damit blaue Flecken schneller verschwinden?

Prof. Schellong: Nein, es handelt sich um einen chemischen Prozess, den man leider nicht beschleunigen kann.