In Deutschland gehen den Blutspendediensten die Konservenvorräte aus.
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BerlinIn den östlichen Bundesländern gehen den Blutspendediensten die Blutkonserven aus. In Berlin, Brandenburg und Sachsen decken die zur Verfügung stehenden, gekühlten und getesteten Reserven mancherorts nicht einmal mehr den Bedarf eines durchschnittlichen Tages, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Mittwoch mitteilte. Thüringen und Sachsen-Anhalt hätten Vorräte für rund zwei Tage, Mecklenburg-Vorpommern immerhin für drei.

Die Knappheit liegt nach DRK-Angaben nicht an mangelnder Spendenbereitschaft. Vielmehr sei der Bedarf an Blutkonserven in Krankenhäusern deutlich angestiegen, gleichzeitig seien viele Orte zur Blutspende coronabedingt weggefallen oder nur eingeschränkt nutzbar.

Das Deutsche Rote Kreuz deckt laut dpa über zwei Drittel des Bedarfs an Blutkonserven in Deutschland ab. Deutschlandweit ruft das DRK zu Blutspenden auf und wird auch vereinzelt an Samstagen und Feiertagen Termine anbieten.

Es fehlt an Spendemöglichkeiten

„Die Lage ist dramatisch. Es gibt eine minimale Versorgungssicherheit“, sagte Kerstin Schweiger vom DRK-Nordost. Sie rief alle gesunden Menschen dazu auf, die kommenden Blutspendetermine wahrzunehmen. „Vor allem für schwerkranke Menschen zählt nun jeder Tropfen Blut“, betonte Schweiger. Nach ihren Angaben werden etwa 20 Prozent der Blutkonserven alleine für Krebspatienten benötigt. Um jedoch unnötige Wartezeiten zu vermeiden, sollte ein Spendetermin online reserviert werden.

Dass die zur Verfügung stehenden, gekühlten und getesteten Reserven mancherorts nicht einmal den Bedarf eines durchschnittlichen Tages decken könnten, liege aber nicht an mangelnder Spendenbereitschaft, so Stephan Küpper vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes.

Das Hauptproblem sei derzeit, geeignete Räume für die Blutspende zu finden, erläuterte Silke Hufen vom DRK-Blutspendedienst Mecklenburg-Vorpommern. „In der Hochzeit der Einschränkungen standen uns Schulen und Gemeindezentren zur Verfügung und wir konnten leicht die Abstandsregeln einhalten.“ Mit den zunehmenden Lockerungen seien diese Räume nicht mehr nutzbar. Ohnehin sei das Spendeaufkommen zu Beginn der Corona-Krise etwa 20 Prozent höher gewesen als normal.

Auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die Situation kritisch. „Wir können die Krankenhäuser nicht mehr so beliefern, wie sie bestellen“, berichtete Nico Feldmann, beim DRK-Blutspendedienst für Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. In normalen Zeiten seien bis zu 15.000 Konserven vorrätig, aktuell lediglich 5000.

Bundesländer können sich gegenseitig aushelfen

Generell sind demnach die Vorräte an Blutkonserven in Deutschland sehr unterschiedlich gelagert. Besonders knapp seien die Reserven aktuell in Baden-Württemberg und Hessen: Hier reiche der Vorrat an Konserven keine 24 Stunden, bemerkte Küpper. Ähnlich sei die Lage in Berlin und Brandenburg. Die Blutbänke in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland hätten immerhin Vorräte für rund zwei Tage. Am besten sei die Situation in Bayern, wo die Konserven den Bedarf von mehr als vier durchschnittlichen Tagen decken könnten.

Zwar befänden sich die Kliniken trotz des aktuellen Mangels nicht in einer dramatischen Notsituation. „Niemand muss jetzt Angst haben, dass überlebensnotwenige Maßnahmen ausbleiben“, erklärte Küpper. Allerdings müssten schon jetzt nicht dringende Operationen zum Teil abgesagt oder verschoben werden, um akut Blut zu sparen. Bei unvorhergesehenen Notfällen würde sich die Lage dann zwar zuspitzen, doch auch dann könnten sich die Bundesländer gegenseitig aushelfen.

Mit einer baldigen Entspannung der Situation rechnet das DRK nicht – vor allem, weil die Corona-Ausnahmesituation noch auf unbestimmte Zeit andauere und so auch das gewohnte Blutspende-Aufkommen lange Zeit nicht erreicht werden könne, sagte Küpper. Allerdings seien zahlreiche öffentliche Blutspendetermine, zu denen unter aufwendigen Sicherheitsauflagen derzeit auch trotz der Pandemie zahlreiche Menschen kämen, ein gutes Signal. „Wir verlangen den Menschen Zeit ab. Aber das ist gerade in Coronazeiten nicht anders machbar.“