Untersuchungen zeigen, dass Corona-Patienten, die mit Blutverdünnern behandelt werden, bessere Überlebenschancen haben.
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BerlinCorona-Patienten, die in der Klinik mit Blutverdünnern behandelt wurden, besitzen bessere Überlebenschancen. Dies haben Wissenschaftler herausgefunden. Die Studienergebnisse lieferten Ärzten neue Erkenntnisse darüber, wie Covid-19-Patienten nach ihrer Aufnahme ins Krankenhaus besser behandelt werden könnten, heißt es in einer Erklärung des Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam von Freitag, den 8. Mai. Die Studie ist den Angaben zufolge in der neuesten Ausgabe des Journals of the American College of Cardiology erschienen.

Die Untersuchungen für die Studie fanden in New York statt. Mithilfe modernster IT-Technologien werteten Forscher die Datensätze von 2773 an Corona Erkrankten aus, die zwischen dem 14. März und dem 11. April 2020 in das Krankenhausnetzwerk Mount Sinai Health System in New York City aufgenommen wurden, wie es in der Mitteilung heißt. Die Wissenschaftler analysierten die Überlebensraten von Patienten, denen Antikoagulanzien - umgangssprachlich als Blutverdünner oder Gerinnungshemmer bekannt - verabreicht wurden, und verglichen diese mit denen von Patienten ohne diese Behandlung.

Dass viele Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen Blutgerinnsel entwickeln, die zu tödlichen Thrombosen und Herzinfarkten führen können, haben jüngst nicht nur deutsche Pathologen ausgemacht. Das beobachteten auch Forscher der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, einer Hochschule, die zum New Yorker Krankenhaussystems gehört. 

Von den 2733 Corona-Patienten, deren Daten analysiert wurden, hatten 786 (28 Prozent) eine höhere Dosis Blutverdünner erhalten, als die, die üblicherweise zur Vorbeugung von Blutgerinnseln verabreicht wird. Sie entsprach der Dosis, die in der Regel denjenigen verabreicht wird, die bereits Gerinnsel haben oder bei denen der Verdacht auf Gerinnsel besteht. Corona-Patienten, die mit diesen hohen Dosen Blutverdünnern behandelt wurden, hätten sowohl auf der Intensivstation als auch außerhalb einen besseren Genesungsverlauf gezeigt, heißt es in der Mitteilung.

Die Ergebnisse wurden von Datenwissenschaftlern ausgewertet, zu denen Forscher des Hasso Plattner Institutes for Digital Health at Mount Sinai gehören. Dieses Institut  wurde gegründet, um die Zusammenarbeit zwischen dem HPI in Potsdam und dem Mount-Sinai-System in New York  auf dem Gebiet der digitalen Medizin zu ermöglichen.

"Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, dass wir Patientendaten in Echtzeit analysieren. Nur so können wir jetzt schnell handeln, Leben retten und die Krankheitsverläufe von Patientinnen und Patienten verbessern, die unter dieser verheerenden Pandemie leiden", sagte Erwin Böttinger, Leiter des Digital Health Centers des HPI in Potsdam. Die vielversprechenden Ergebnisse aus New York City könnten nun schnell weltweit in der stationären Behandlung von COVID-19-Patienten Anwendung finden.

Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler fest, dass die Wirkung der Blutverdünner bei beatmeten Patienten besonders stark ausgeprägt war. Von den beatmeten Patienten, die nicht mit Blutverdünnern behandelt wurden, starben 62,7 Prozent. Bei den Patienten, die Blutverdünner erhielten, waren es deutlich weniger, nämlich 29,1 Prozent. "Aufgrund der wichtigen Erkenntnisse dieser Studie und eindeutiger Beobachtungen unserer behandelnden Ärzte behandeln wir Covid-19-Patienten ohne Blutungsrisiko mit Blutverdünnern" sagt Dennis Charney, Dekan der Icahn School of Medicine at Mount Sinai.

Diese Studie sei erst der Anfang für umfassendere Analysen mit bis zu 5000 Corona-Patienten, sagte der Erstautor der Studie, Girish Nadkarni, Ärztlicher Direktor am Hasso Plattner Institute for Digital Health in New York. Dabei soll die Wirksamkeit von drei verschiedenen Gerinnungshemmern  untersucht werden, die dann vielleicht bei künftigen klinischen Studien verwendet werden könnten. Es seien weitere Studien erforderlich, um den genauen Effekt von Blutverdünnern bei Covid-19-Patienten zu verstehen, sagte Girish Nadkarni.