Lausanne - Der internationale Handel mit Haustieren ist ein boomendes Geschäft. Kaufen lässt sich mittlerweile nahezu alles, was da kreucht und fleucht. Selbstverständlich auch Insekten, man denke da nur an Bienen, aber auch an Ameisen. Sie werden tatsächlich als Haustiere geführt, ein Umstand, der nach einer Schweizer Studie vielerorts die Artenvielfalt bedrohen kann. Im weltweiten Tierversandhandel seien gerade diejenigen Arten überrepräsentiert und kommerziell erfolgreich, die sich leicht in gebietsfremden Regionen ausbreiten, schreiben die Wissenschaftler aus Lausanne in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) zur Begründung.

Schnell wachsender Invasionspfad für Ameisen

„Unsere Analyse zeigt einen aufkommenden und schnell wachsenden Invasionspfad für Ameisen … Wir gehen davon aus, dass der Haustierhandel mit Ameisen in Zukunft zur Ausbreitung invasiver Arten beiträgt“, so die Forscher. Auch bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen invasive Arten seien deutlich überrepräsentiert: „Es ist jedoch unklar, ob dies der Fall ist, weil Haustierarten im Laufe der Zeit mehr Möglichkeiten hatten, invasiv zu werden, oder weil invasive Arten einen größeren kommerziellen Erfolg haben. Um dies zu testen, haben wir uns auf den aufkommenden Handel mit Ameisen konzentriert, der zu neu ist, um bisher für Invasionen verantwortlich zu sein.“

Invasive Arten sind laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) solche, die sich durch den Einfluss des Menschen in Regionen ausbreiten, in denen sie vorher nicht heimisch waren, sei es in Gepäck und Ware etwa an Bord von Schiffen oder durch den Tierhandel. Sie haben oft unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope, weil sie einheimischen Arten Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen machen. Neben der Gefährdung der Biodiversität durch Verdrängung und Auslöschung nativer Arten kann auch das Ökosystem als Ganzes betroffen sein und aus dem ökologischen Gleichgewicht geraten.

Ameisen sind ein einfaches Geschäft für Tierhändler

General breiten sich Arten mit ohnehin schon großen Verbreitungsgebieten und wenig speziellen Ansprüchen an ihre Umgebung öfter auch dort aus, wo sie eigentlich nicht heimisch sind, heißt es in der Lausanner Studie dazu. Dass sie im Tierhandel überdurchschnittlich vertreten sind, könne zum einen daran liegen, dass die Händler diese Arten einfacher besorgen können, weil sie weit verbreitet und damit leicht verfügbar sind. Zum anderen seien sie womöglich auch attraktiver für Käufer, weil sie pflegeleichter sind als Arten mit speziellen Bedürfnissen.

Für Tierhändler seien Ameisen ein einfaches Geschäft, weil sich eine Königin mit einer kleinen Schar Tiere problemlos per Post verschicken lasse, heißt es in der Studie. Es gebe keine Beschränkungen für den Handel mit Ameisen, obwohl hinreichend bekannt sei, wie stark sie das Ökosystem in einer neuen Umgebung bedrohen können. Invasive Ameisenarten seien 6,6-mal häufiger im Tierhandel vertreten, als der natürlichen Verteilung entsprechen würde.

„Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie dringend es nötig ist, den weltweiten Handel mit lebenden – auch wirbellosen – Tieren international zu regulieren“, schreiben Cleo Bertelsmeier und Jérôme Gippet vom Institut für Ökologie und Evolution in Lausanne. Die geltenden Regeln seien unzureichend. (mit dpa)