Als sie beim Duschen einen dicken Knoten in ihrer linken Brust ertastet, gerät Andrea L. (51) in Panik: „Er muss ziemlich schnell gewachsen sein, denn vorher hatte ich nie etwas davon bemerkt“, sagt die gelernte Porzellandreherin aus Neukölln. „Doch jetzt war er so groß, dass man ihn fast schon von außen sehen konnte. Ich bekam einen Riesenschreck.“

Die Mutter von drei Kindern tat das einzig Richtige: Sie ging zur Gynäkologin. Dort gab es allerdings keine Entwarnung. Im Gegenteil: Mammografie- und Ultraschall-Untersuchungen zeigten ebenfalls den Knoten. Die Biopsie und eine Gewebeuntersuchung brachten die schlimme Gewissheit: „Ich hatte einen besonders aggressiven Brustkrebs.

Die Ärzte rieten mir zur sofortigen Operation. „Das war für mich wie ein K.O.-Schlag. Ich hatte Angst zu sterben, musste fürchterlich heulen. Schließlich habe ich drei Kinder und sogar schon zwei Enkel. Für die wollte ich doch noch lange da sein.“ Also ging sie in die Klinik, hoffte auf einen brusterhaltenden Eingriff und Heilung. Doch leider verlief die Operation nicht so, wie Andrea L. es sich gewünscht hatte. Für die sonst so lebenslustige Frau begann ein richtiger Horror: „Als ich nach der OP aufwachte, fehlte mir die halbe Brust. Dann bekam ich ein Jahr lang alle drei Wochen Antikörper-Infusionen und sechs Wochen lang täglich eine Bestrahlung.“

Schwierige Wiederherstellungs-Operation: Körpereigenes Gewebe anstelle des Implantats 

Die aggressiven Strahlen führten zu allem Überfluss auch noch zu Komplikationen: „Die Haut an meiner Brust wurde ganz schwarz. Ich musste erneut operiert werden. Dieses Mal setzten mir die Ärzte ein Implantat ein. Langsam verheilten die Wunden.“

Doch bei einer Routinekontrolle ein Jahr später fanden sich in der verbliebenen Narbe wieder neue Tumorzellen: „Ich musste zum dritten Mal operiert werden. Jetzt nahmen die Mediziner das Implantat heraus und entfernten meine gesamte linke Brust. Weil die Haut durch die Bestrahlungen zu dünn geworden war konnten sie auch kein neues Implantat mehr einsetzen.“

Andrea L. war verzweifelt. Doch dann gab es für sie endlich neue Hoffnung. Den Chirurgen gelang es mit einer schwierigen Wiederherstellungs-Operation, ihr anstelle des Implantates körpereigenes Gewebe aus der Bauchdecke zu verpflanzen. Sie entnahmen ihr einen etwa zwanzig Zentimeter langen und fünf Zentimeter breiten Block aus Haut und Fettgewebe aus der Bauchregion und verpflanzten ihn unter den verbliebenen Hautmantel der linken Brust. Die Blutgefäße dieses Gewebeblocks konnten sie mikrochirurgisch an die dort verlaufenden Adern anschließen.

Eine plastische Chirurgin in Charlottenburg verhilft Andrea L. zu neuem Lebensmut 

„Die Wunden dieser OP heilten dann zwar gut, aber danach war meine linke Brust nur halb so groß wie die rechte“, so Andrea Lohmann. „Das hat mich sehr belastet.“

In dieser Situation fand Andrea L. eine plastische Chirurgin in Charlottenburg, die ihr zu neuem Lebensmut verhalf. Die Fachärztin Annett Kleinschmidt erklärte ihr, dass man mit Injektionen von körpereigenem Fettgewebe die Brust so vergrößern und modellieren kann, dass sie wieder genauso aussieht wie vor der Erkrankung. Und das sogar mit kleinen Eingriffen, ohne große Operation. „Das war meine Rettung.“

Annett Kleinschmidt führt den Eingriff häufig durch und hat schon vielen Berlinerinnen mit dieser Technik geholfen: „Zwei verschieden große Brüste können für die betroffenen Patientinnen eine große Belastung sein. Besonders dann, wenn eine Krebsoperation vorausgeht und die Frauen dadurch psychisch noch stärker leiden. Die Verpflanzung von Eigenfett in die weibliche Brust eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten, wenn ein Brustaufbau durch Implantate nicht möglich ist.“

Nach sechs Monaten begann die Charlottenburger Kollegin schließlich mit dem zweiten Teil der aufwendigen Rekonstruktion: „Durch Injektionen von körpereigenem Fettgewebe haben wir versucht, die operierte, aber noch zu kleine Brust weiter zu vergrößern und dem Aussehen der gesunden Brust anzupassen.“ Wie bei einer Fettabsaugung entnahm Annett Kleinschmidt mit langen Saugkanülen das Fett aus Andreas Oberschenkel, Hüfte und Bauch und bereitete es in einer Zentrifuge auf. Danach spritzte sie es direkt in die halbwegs wiederhergestellte, aber noch viel zu kleine Brust und modellierte sie mit dem körpereigenen Fett.

Doch ganz so einfach, wie die Sache klingt, ist sie leider nicht. Denn nach einer derartigen Injektion (Fachausdruck: Lipofilling) bauen sich etwa 40 Prozent der transplantierten Fettzellen wieder ab, so dass der Eingriff mehrmals wiederholt werden muss. Deshalb musste Andrea L. insgesamt viermal in die Klinik, in der sie jeweils ein paar Tage blieb. Doch dann war ihre Brust wieder nahezu perfekt.

Bei jedem Aufenthalt saugte die Chirurgin neue Fettzellen ab: „Denn es hat leider keinen Sinn, das Fett nur einmal zu entnehmen und einzufrieren“, sagt Annett Kleinschmidt. „Gute Ergebnisse lassen sich nur mit frischen Fettzellen erzielen, die nach der Entnahme sofort speziell aufbereitet und zentrifugiert werden. Denn sie enthalten körpereigene Wachstumsfaktoren und können eigene kleine Blutgefäße bilden.“ Bei tiefgefrorenem Material wäre das nicht möglich.

„Es war zwar ein schwerer, langer und steiniger Weg. Aber jetzt sieht mein Dekolleté wieder aus wie früher“

Heute ist Andrea L. wieder glücklich: „Ich habe gute Aussichten, dass meine Brust-Rekonstruktion mit Eigenfett lebenslang hält. Es war zwar ein schwerer, langer und steiniger Weg. Aber jetzt sieht mein Dekolleté wieder aus wie früher.“

Die neue Methode mit den Eigenfett-Spritzen ist jedoch nicht nur für Patientinnen geeignet, die ihre Brust wieder aufbauen lassen wollen oder die unter unterschiedlich großen Brüsten leiden, deren Form die Ärzte damit ausgleichen können. Genauso gut ist es möglich, Falten, Narben und Weichteildefekte nach Unfällen mit körpereigenen Fettzellen zu unterfüttern oder unsymmetrische Gesichtszüge nach Nervenlähmungen auszugleichen. Der Eingriff hat zusätzlich den Vorteil, dass körpereigenes Gewebe nicht abgestoßen wird und keine entsprechenden Reaktionen auftreten.

Wenn der Brustaufbau aufgrund einer Krebsoperation erfolgt, übernehmen in der Regel auch gesetzliche Kassen die Kosten der Eingriffe. Andrea L. blickt jedenfalls mit neuem Optimismus in die Zukunft: „Endlich bin ich gesund und fühle mich wieder wohl. Ich kann auch wieder enge Tops und T-Shirts tragen.“