Bambus-Becher sind für heiße Getränke nicht ideal. 
Foto:  Imago Images /Jan Huebner

Ob als Mehrwegbecher für den Kaffee zum Mitnehmen oder als Schüssel für Müsli und Babybrei. Geschirr aus sogenannter Bambusware ist beliebt. Denn es ist leicht und bruchfest, noch dazu klingt Bambus nach Natur. Im Grunde handelt es sich bei dem Material aber um den Kunststoff Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH), der Bambusfasern als Füllstoff enthält. Und daraus können sich Schadstoffe lösen, wenn heiße Getränke oder Speisen eingefüllt werden. Davor warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin.

„Aus gesundheitlicher Sicht sind diese Produkte nicht in jedem Fall für die Verwendung als Geschirr geeignet“, sagt BfR-Präsident Andreas Hensel. Bei höheren Temperaturen könnten gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd aus dem Geschirr in Lebensmittel übergehen, teilte seine Behörde am Montag mit.

Gefahr durch Formaldehyd

Das BfR kommt zu diesem Schluss nachdem es Daten der Landesüberwachungsbehörden sowie eigene Daten toxikologisch bewertet hat. Das Institut bestimmte zunächst die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge, bei der kein gesundheitliches Risiko zu erwarten ist. Den Berechnungen zufolge würde die Formaldehydfreisetzung aus einigen Bambusbechern diesen Wert um das 30-fache für Erwachsene und das 120-fache für Kleinkinder überschreiten. 

Formaldehyd ist dem BfR zufolge haut- und schleimhautreizend und kann nach Einatmen Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen. Bei Langzeit-Aufnahme über Wasser oder die Nahrung zeigten sich in Tierversuchen Entzündungen und vermehrtes Zellwachstum im Bereich des Magens. 

Melamin bewirkte in Langzeit-Tierexperimenten an Nagern die Bildung von Blasensteinen, damit verbunden war vermehrtes Auftreten von Blasenkrebs. Für Kaffee, Tee, heiße Milch und Babybreis sollte diese Art von Geschirr also nicht genutzt werden, rät das BfR. Die Warnung gelte auch für Geschirr aus herkömmlichem Melaminharz. 

Und das BfR nennt noch einen weiteren Grund für einen zurückhaltenden Umgang mit dieser Art von Geschirr: Langzeittests hätten gezeigt, dass der Kunststoff im Kontakt mit heißen Flüssigkeiten angegriffen werde. Aus Bambusware könne sich dann sogar mehr von den gesundheitsschädlichen Stoffen lösen als bei herkömmlichen Melaminharzbechern. Für kalte oder lauwarme Lebensmittel sei das Geschirr hingegen gut geeignet. 

Verbraucherschützer fordern Verbot 

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte bereits im Juli vor Schadstoffen in Bambusgeschirr gewarnt und ein Verbot von Bambusgeschirr mit Kunststoffanteil gefordert. Für warme Speisen und Getränke sei Mehrweggeschirr aus Materialien wie Edelstahl, Glas, Porzellan und Polypropylen empfehlenswerter.

Die Stiftung Warentest hatte im Juli zwölf Bambusbecher getestet - und sieben davon als "mangelhaft" eingestuft, weil sie unzulässige Mengen an Schadstoffen abgaben, wenn sie mit heißen Flüssigkeiten gefüllt waren.

Auch aus Umweltaspekten bietet Bambusgeschirr keine Vorteile, stellt das BfR zudem klar. "MFH ein Kunststoff, der nicht biologisch abbaubar ist - auch dann nicht, wenn ihm natürliche Füllstoffe zugesetzt sind."