Sonja Beilke beim letzten WInterurlaub an der Küste. Da waren die Brände noch kein Thema
Foto: privat

Berlin/Melbourne Die Deutsche Sonja Beilke lebt mit ihrem Mann und den drei Töchtern seit vier Jahren in Melbourne. Buschbrände und Extremwetterlagen sind sie gewohnt. So schlimm wie dieses Jahr war es aber noch nie. 

Frau Beilke, was kriegen Sie von den Bränden im Land mit?

Sehr viel. Seit gestern haben wir überall in der Stadt einen extremen Rauch. Wenn man aus dem Fenster blickt, sieht die Luft richtig gelblich aus. Bekannte haben mir erzählt, dass die Sonne beim Sonnenaufgang rot war. Jetzt am Tag kann man sie kaum sehen. Wir haben die Feiertage wegen der Wetterlage in Neuseeland verbracht, aber selbst da war am Neujahrstag ein fürchterliches Wetter, die Luft auch dort gelb und rauchig. 

Wie verbringen Sie die Tage bei dieser Wetterlage?

Bis Ende Januar haben wir noch Ferien. In Australien ist jetzt ja Sommer. Eigentlich wollten wir heute ins Schwimmbad. Aber die Messwerte sind so extrem schlecht, dass über die Medien dazu aufgerufen wird, zuhause zu bleiben. Vor allem ältere Menschen und Kinder sollen das Haus nicht verlassen. Wir sitzen jetzt hier und machen Gesellschaftsspiele.

Direkt von den Bränden sind Sie aber nicht betroffen, oder?

Der nächste große Brand liegt ungefähr drei Autostunden von uns entfernt. Aber es hat auch einige kleinere Brände im Norden von Melbourne gegeben. Auch dort mussten  Menschen ihre Häuser verlassen. Aber das Schlimmste hier in der Stadt ist die Luftverschmutzung. Das macht sich auch körperlich bemerkbar. Die Augen tränen und man muss immer wieder husten. Es ist aber auch kein Wunder, die Messwerte hier spielen wirklich verrückt.

Wird bei Ihnen im Bekanntenkreis der Klimawandel diskutiert?

Die Brände und die Wetterlage sind das Thema Nummer eins hier.  Jeder redet darüber und jeder kennt auch jemanden, der direkt betroffen ist. Über Politik diskutieren die meisten Australier, die ich kenne, aber nicht so gerne. Über das Wetter und den Sport gerne, aber sobald es politisch wird, wird lieber das Thema gewechselt.

Aber auf den Premierminister Scott Morrison sind die Leute nicht gut zu sprechen, oder?

Das stimmt. Die Leute nehmen ihm sehr übel, dass er in den Urlaub gefahren ist und erst auf heftige Nachfrage wieder zurückkam. Man kann gespannt sein, ob er sich von diesem Desaster wieder erholt.

In Deutschland wird gerade über Siemens diskutiert, weil die Firma sich am Bau eines Kohlebergwerkes in Australien beteiligt. Ist das bei Ihnen ein Thema?

Überhaupt nicht. Ich habe das selbst nur auf einer deutschen Online-Seite gelesen. Hier wird zwar über die Kohleförderung allgemein schon mal gesprochen, aber hauptsächlich sehen die Australier die Abhängigkeit von China und generell von Asien kritisch. Der Umweltaspekt ist da nicht so ausgeprägt.

Wie machen Sie und Ihre Familie jetzt weiter?

Wir versuchen hier gerade, jeden einzelnen Tag gut zu überstehen. Morgen soll es ein bisschen regnen, in Melbourne wechselt das Wetter schnell. Aber für die nächsten Tage ist wieder starker Wind aus Nordost angesagt, der den Rauch von den Feuern bringt.