Cannabis als Medikament? Das wird bis Freitag in Berlin wieder einmal diskutiert. Es geht sowohl um den Sinn oder Unsinn, eine Droge als Heilpflanze zu gebrauchen, als auch um den möglichen Anbau von Hanf.

Aber auch um den Verkauf von Cannabis – denn dies ist ein Millionen-Geschäft. Und den Deutschen fehlt hierbei die Erfahrung. Offiziell. Der Cannabis-Anbau in Deutschland stockt, weil Unternehmen hierzulande noch kein Wissen aufbauen konnten. Jahrelang war das Pflanzen verboten.

Weltweit zweitgrößter Markt als Ziel

In Deutschland könnte allerdings der nach den USA weltweit zweitgrößte Markt für Cannabis entstehen. Dieser Ansicht ist zumindest Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands und einer der Redner auf der Internationalen Cannabis Business Conference (ICBC). Doch damit es dazu kommt, müsste man hierzulande nur endlich anfangen dürfen, Cannabis zu produzieren, sagt er. Sonst wird ein Zukunftsmarkt verpasst.

Das US-Institute of Medicine publizierte schon 1999 unter dem Titel „Marijuana and Medicine: Assessing the Science Base“ wissenschaftliche Erkenntnisse zum möglichen medizinischen Nutzen von Cannabis. Die Autoren sahen es als sinnvoll an, Cannabinoiden in der Schmerzbehandlung einzusetzen, bei Übelkeit durch Chemotherapie, bei Mangelernährung, der Auszehrung bei Aids und Krebs oder zur Verringerung von Muskel-Dauerverkrampfungen.

Krankenkassen entscheiden

Schwerkranke Menschen können nun bei uns auf Kassenkosten Cannabis als Medizin erhalten. Wenn die Kasse denn mitspielt. Die Neuregelung erlaubt Ärzten unter bestimmten Umständen, Cannabisblüten und -extrakte zu verschreiben. Die Regelungen beschränken sich auf „eng begrenzte Ausnahmefälle“, dazu zählen Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen und ohne Therapiealternativen. Der Eigenanbau bleibt weiterhin verboten. Der Gesetzgeber begründet dies mit den „mangelnden Qualitäts- und Sicherheitskontrollmöglichkeiten“.

Erlaubt oder nicht: Viele Patienten haben Probleme, einen Arzt zu finden, der ihnen Cannabis verschreibt. Diese empfehlen lieber weiter Opiate gegen Schmerzen. Ärzte müssen erst einmal an einer Begleitstudie teilnehmen und sich einlesen. Das ist ein ziemlich hoher Aufwand, der nicht vergütet wird.

Die Krankenkassen sind laut Georg Wurth bisher sehr zurückhaltend damit, die Kosten zu erstatten. „Wir haben bei den Anträgen jetzt eine Erstattungsquote von ungefähr 60 Prozent, obwohl eigentlich der Gesetzgeber gesagt hat, die Ärzte sollten entscheiden dürfen, ob der Patient Cannabis bekommen darf oder nicht“, sagte er im Inforadio Berlin. „Faktisch entscheiden jetzt darüber die Krankenkassen.“

Drei Mal teurer als in Holland

Und nur weil Cannabis jetzt erlaubt ist, wird die Lieferung nicht unbedingt einfacher. Denn es gibt nicht viele Länder, in denen Cannabis inklusive der Blüten als Medizin verkauft werden darf. Das erhöht den Preis. Ein Gramm Cannabis aus der Apotheke kostet in Deutschland so viel wie in kaum einem anderen Land – und ist ungefähr drei Mal teurer als in Holland.

Auf der Berliner Konferenz, die noch bis zum 13. April andauert, treffen sich nun unter anderem Unternehmer, die Cannabis in anderen Ländern legal anbauen, Importeure und Firmen, die sich auch im Markt positionieren wollen – etwa mit Apps oder Beratungsangeboten für Ärzte.

Informationen zu Cannabis als Medikament:

www.leafly.de

www.barmer.de/gesundheitscampus/beratung/teledoktor www.aok.de/inhalt/cannabis-als-arzneimittel-1

https://hanfverband.de