Wuhan: Das Huoshenshan (Berg des Feuergottes) Krankenhaus in der zentralchinesischen Provinz Hubei. 
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WuhanDer Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie ist laut Experten noch nicht erreicht. Das Virus verbreitet sich rasend schnell, die Zahl der Erkrankten steigt sprunghaft an. Die Chinesen schaffen in dieser Notsituation, was fast unmöglich scheint: In Wuhan eröffnete am Montag das erste Notkrankenhaus mit 1000 Betten - nach nur acht Tagen Bauzeit.

Lesen Sie hier den Kommentar von Kai-Hinrich Renner: Rassismus und Einfallslosigkeit in Zeiten des Coronavirus >>

Quelle:  South China Morning Post /YouTube

Am 23. Januar war ein Bauunternehmen mit dem Projekt beauftragt worden. Schon zwei Tage später wurde in Wuhan offiziell mit dem Bau des "Huoshenshan" ("Berg des Vulkan-Gottes") genannten Hospitals begonnen. An dem Krankenhaus arbeiteten mehr als 7500 Arbeiter Tag und Nacht im Schichtbetrieb.

Etwa 1400 medizinische Kräfte des Militärs betreiben das Behelfshospital, in dem Lungenkranke zentral in Quarantäne kommen und behandelt werden. Zu dem Personal gehörten auch viele, die vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie in einem ähnlichen Behelfs-Krankenhaus in Xiaotangshan in Peking gearbeitet hatten. Auch seien Experten dabei, die am Kampf gegen Ebola in Sierra Leone und Liberia beteiligt gewesen seien. 

Im Kampf gegen das Coronavirus hat China in weniger als zwei Wochen das erste von zwei Notkrankenhäusern gebaut.
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Gut 60.000 Quadratmeter ist das Hospital groß. Etwa die Hälfte davon sind Isolationsstationen, schrieb die Regierungszeitung „Yangtze Daily“. Es gibt demnach 30 Intensivstationen. Ärzte können per direkter Videoschalte mit Experten kommunizieren. Laut der Zeitung  „The Paper“ spendete eine chinesische Firma Medizin-Roboter, die Medikamente liefern oder Proben bringen können.

Das zweite Krankenlager in Wuhan soll schon am Mittwoch fertiggestellt werden.

Die Coronavirus-Epidemie wird ihren Höhepunkt nach Einschätzung chinesischer Experten in 10 bis 14 Tagen erreichen.

Coronavirus: Mehr Tote als bei Sars-Epidemie

An der neuen Lungenkrankheit sind in Festland-China mittlerweile mehr Menschen gestorben als an der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Die Gesundheitskommission in Peking meldete am Montag den bisher stärksten Anstieg der Infektionen und Todesfälle innerhalb eines Tages. Die Zahl der Toten in China erhöhte sich auf 361, die Zahl der bestätigten Infektionen in China kletterte sprunghaft um 2829 auf 17.205 Fälle.

Bei der Sars-Pandemie (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) 2002/2003 hatte es 349 Todesfälle in Festland-China gegeben. Hinzu kamen 299 Tote in Hongkong, weltweit waren es 774 Tote. Beim aktuellen Coronavirus-Ausbruch gab es außerhalb von Festland-China bis Montag erst einen bekannten Todesfall - auf den Philippinen.

Zwölf Coronavirus-Fälle in Deutschland

In Deutschland haben sich inzwischen zwölf Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bei dem neuen Betroffenen handelt es sich um einen weiteren Mitarbeiter eines Automobilzulieferers in Stockdorf bei München, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Montagabend unter Berufung auf das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mitteilte. Der Mann wurde in die München Klinik Schwabing gebracht. Kurz zuvor hatte das Ministerium die Infizierung eines zweiten Kindes in Bayern bekanntgegeben. Damit ist der Erreger bei acht Mitarbeitern des Autozulieferers Webasto nachgewiesen worden. Dazu kommen die beiden Kinder eines Mitarbeiters. Außerdem war das Virus bei zwei Passagieren festgestellt worden, die am Wochenende mit einem Bundeswehrflugzeug aus Wuhan zurückgeholt wurden.

Die Gesundheitsminister von Deutschland, den USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada verabredeten derweil „ein so weit als möglich abgestimmtes Vorgehen bei den Reisebestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen“, wie das Bundesgesundheitsministerium am Montagabend in Berlin mitteilte. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte, dass „eine angemessene Reaktion auf das Virus nur international und europäisch abgestimmt erfolgen“ könne.

Das Ausland ergreift inzwischen immer härtere Maßnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus: Die Finanzmetropole Hongkong kündigte an, fast alle Grenzübergänge - bis auf den Flughafen und zwei Brücken - nach China zu schließen. Washington verteidigte sein Reiseverbot für aus China kommende Menschen. Peking hatte die USA zuvor beschuldigt, „Panik“ zu verbreiten.