CO2 - Globale Erwärmung: 5 Schritte für einen geringeren CO2-Ausstoß

Anfang Oktober hat der UNO-Weltklimarat (IPCC) den Sonderbericht "1,5 °C globale Erwärmung" veröffentlicht. Der wichtigste klimawissenschaftliche Bericht des Jahres zeigt, dass es schnelle und weitreichende Veränderungen braucht, um die Erderwärmung zu regulieren. Das Ziel wurde vor drei Jahren beim Klimagipfel in Paris vorgegeben: Der globale Temperaturanstieg muss unbedingt unter zwei Grad gehalten werden, besser aber unter 1,5 Grad als zum vorindustriellen Niveau. Aktuell ist bereits ein Temperaturanstieg von 1-1,2 Grad erreicht - die Autoren des IPCC-Sonderberichts schlagen Alarm.

Bis 2050 muss der globale Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) Null erreichen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Es wird klimabedingt mehr Armut geben, Ernteeinbußen, eine Zunahme des Meeresspiegels, beinahe alle Korallenriffe werden verschwunden sein und der Fischfang wird starke Einbußen verzeichnen - bei einer Erwärmung von 1,5 Grad.

Bei zwei Grad werden die Auswirkungen dramatischer. Einig sind sich die Forscher, dass die Welt ohne Anstrengung auf drei bis vier Grad Erwärmung zusteuert. Die Autoren des IPCC-Reports fordern mit Nachdruck "rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft."

Das heißt: Nicht nur die Politik, sondern jeder einzelne Mensch ist dazu aufgerufen, seinen CO2-Fußabdruck zu überprüfen (zum Beispiel mit diesem CO2-Rechner) und zu reduzieren - also bewusst zu konsumieren. Soll das Ziel der Zwei-Grad-Begrenzung bis 2050 erreicht werden, dürfte jeder Mensch nicht mehr als 2,5 Tonnen CO2 jährlich ausstoßen. Der aktuelle Ausstoß liegt bei mehr als dem Vierfachen. Darum haben wir für Sie fünf Fakten zu CO2-Emissionen gesammelt und Tipps, sie im Alltag zu reduzieren.

Die Strom- und Wärmeerzeugung verursacht am meisten CO2-Emissionen

Was Sie tun können: Seinen CO2-Fußabdruck zu verkleinern bedeutet vor allem, bewusster mit Strom und Heizung umzugehen: Das Licht im Zimmer sollte also ausgeschaltet werden, wenn es gerade nicht benötigt wird. Im Winter die Wohnung auf ein Grad weniger zu heizen, hat ebenfalls einen großen Effekt. Und: Bis zu sechs Prozent an Heizkosten können so laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit am Ende des Jahres eingespart werden.

Außerdem sollte beim Kauf von Elektrogeräten auf die Energieeffizienz geachtet und bei allen Geräten der Stand-by-Modus vermieden werden. Ein Kippschalter an Steckdosen ist praktisch und verhindert je nach Energieeffizienz und und Anzahl der Geräte im besten Fall mehrere Hundert Kilogramm CO2.

Wichtig ist auch, woher der Strom bezogen wird: Mit Ökostromanbietern, die das "Grüner Strom"-Label (das strengste Label in Deutschland) oder das "ok power"-Label vorweisen, stehen Verbraucher auf der sicheren Seite. Diese garantieren nämlich, dass der Strom zu einhundert Prozent aus erneuerbaren Energien bezogen wird und - noch viel wichtiger - dass Investitionen in den Ausbau regenerativer Stromerzeugung getätigt werden, um den Atomausstieg voranzutreiben.

Ein Flug von Berlin nach New York erzeugt 3,2 Tonnen CO2

Was Sie tun können: Durchschnittlich stößt ein Deutscher 2,2 Tonnen CO2 jährlich durch den Straßenverkehr und Flugreisen aus. Zusammen mit Strom und Heizung (2,5 Tonnen pro Jahr) wurde der Soll-Ausstoß (2,5 Tonnen pro Jahr) somit schon fast zwei Mal erreicht.

Dabei gibt es auch hier viel Potenzial zur Verbesserung: Wer lange Arbeitswege zurücklegen muss, kann Carsharing betreiben oder die Bahn nehmen. Das beste Verkehrsmittel ist natürlich das Fahrrad. Öfter können Wege zu Fuß zurück gelegt werden, statt mal eben mit dem Auto zum Einkaufen zu fahren.

Auch bei der Urlaubswahl kann darauf geachtet werden, kurze Strecken zu wählen. Fliegen verursacht pro Personenkilometer nämlich die meiste Treibhausgasmenge. Ein Hin- und Rückflug von Berlin nach New York stößt 3,2 Tonnen CO2 aus. Wer stattdessen Amsterdam als Urlaubsziel wählt, stößt "nur" ein Zehntel davon aus.

Wer doch mal weiter weg muss, kann seinen CO2-Ausstoß ausgleichen: Es gibt verschiedene Anbieter wie zum Beispiel "Climate Fair" oder "Primaklima", bei denen Reisende Ausgleichs-Zertifikate kaufen können, um seinen CO2-Ausstoß zu neutralisieren. Das Geld wird bei Klimaschutzprojekten eingesetzt, um Treibhausgase zu binden. Das heißt: Es werden Bäume gepflanzt oder der Ausbau erneuerbarer Energien wird gefördert.

Der Fleischverzehr in Deutschland verursacht mehr als 26 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr

Was Sie tun können: Jeder Deutsche verzehrt 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. Der CO2-Ausstoß daraus lässt sich schwer berechnen, da je nach Tierart verschiedene Aufwendungen zur Zucht, Haltung und Schlachtung vorgenommen werden müssen und je nach Produktionsort verschiedene Transportarten und -wege berücksichtigt werden müssen.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat Anfang des Jahres berechnet, dass der Fleischverzehr in Deutschland 26 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im Jahr verursacht - ersichtlich wird in den Rechnungen nicht, von welchen Transportwegen ausgegangen wurde. Aber: Laut dem Sonderbericht des Weltklimarates muss zur Erreichung des Zwei-Grad-Ziels die Ernährung "weniger ressourcenintensiv" werden. Das bedeutet vor allem: Weniger Viehhaltung und damit weniger Fleisch und Milchprodukte.

Das Ziel sei es, den Fleisch- und Milchkonsum bis 2050 zu halbieren. Damit kann der Konsument sofort beginnen. Eine vegane und vegetarische Ernährung, unterbrochen von kleinen Mengen Fleisch ist empfehlenswert. Hilfreich ist auch, das Fleisch direkt vom Bauern zu beziehen, weil somit lange Transportwege aus beispielsweise Südamerika gespart werden können und CO2-Emissionen verringern.

Interessant: Verändert man beim CO2-Rechner bei einer weiblichen Person in den Zwanzigern mit 55 Kilogramm Gewicht die Ernährung von Mischkost auf eine vegane Ernährung, verringert sich die jährliche CO2-Bilanz direkt um 600 Kilogramm.

CO2-Emissionen durch den Verkehr sind zu 30 Prozent auf Güter zurückzuführen

Was Sie tun können: Die durch den allgemeinen Verkehr in Deutschland verursachten CO2-Emissionen sind zu 30 Prozent auf den Güterverkehr zurückzuführen. 41 Millionen Tonnen CO2 wurden 2017 in Deutschland allein durch den Straßengüterverkehr ausstößt. Dabei verursachen auch zahlreiche Importe jede Menge Treibhausgase.

Zu jeder Jahreszeit können Konsumenten Äpfel und Birnen kaufen, außerdem Avocados und Bananen. Discounter verkaufen Kartoffeln aus Ägypten und Superfoods kommen aus allen Teilen der Welt. Wer umweltschonend Wäsche waschen möchte, bekommt in der Drogerie Waschnüsse aus Indien angeboten. Deko-Artikel, Kleidung, Elektrogeräte kommen aus China, Bangladesch oder gar Neuseeland. Globalität bedeutet, Schiffe, Flugzeuge und Lkws quer durch die Welt zu schicken.

Um das zu vermeiden, sollte im Alltag darauf geachtet werden, regionale Produkte zu kaufen. Wussten Sie, dass man die Waschnüsse aus Indien nicht braucht und stattdessen heimische Rosskastanien zum Waschen verwenden kann?

Außerdem sollte darauf geachtet werden, saisonal zu essen, da ansonsten auch Früchte aus der Region für die Umwelt belastend sein können. Bei anderen Konsumgütern sollte darauf geachtet werden, sie gebraucht zu kaufen oder sogar zu teilen. So können die Energie für die Produktion und Transportkosten vermieden werden. Sollte das nicht möglich sein, ist es ratsam, auf lokale, umweltfreundliche Läden zurückzugreifen.

Wer nicht konsumiert, stößt auch kein CO2 aus

Was Sie tun können: Nicht zu konsumieren, ist natürlich nicht möglich. Aber die Aussage "Wer nicht konsumiert, stößt auch kein CO2 aus" soll den Menschen daran erinnern, dass nicht jede Tätigkeit Geld kosten und Konsum sich nicht immer an neuen Gütern orientieren muss. Es soll mehr Bewusstsein schaffen.

Immer mehr Menschen schwören dem Wachstum ab und finden zu mehr Genügsamkeit zurück. Yoga, Waldbaden, Meditation, ein Herbstspaziergang - all diese Dinge kosten nichts und stoßen auch kein CO2 aus. Und wer weniger Kosten hat, kann weniger arbeiten. Wer weniger arbeitet, wird entlastet und ist weniger gestresst - so erklärt es Volkswirt und Buchautor Niko Paech. Er hat in Deutschland den Begriff "Postwachstumsökonomie" geprägt und setzt sich demnach für die Reduktion eines Konsum- und Produktionswachstums ein.

Auch die in der wachsenden Bewegung der Gemeinwohlökonomie soll eine Systemalternative zur kapitalistischen Marktwirtschaft, in der die Nachhaltigkeit eines Produktes oder eines Unternehmens nicht hinterfragt wird, geschaffen werden.