Christian Drosten (48) wurde durch die Corona-Pandemie bundesweit bekannt. Er äußert sich häufig in Talkshows und erläutert virologische Themen im NDR-Podcast Corona update.
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Bonn/BerlinDer eine beschäftigt sich mit Angelfischerei, der andere mit Viren. Die beiden Wissenschaftler, die in diesem Jahr mit dem Communicator-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Stifterverbandes ausgezeichnet werden, arbeiten auf ganz unterschiedlichen Gebieten. Und doch haben Robert Arlinghaus von der Humboldt-Universität und dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité, einiges gemeinsam.

Sie forschen beide in Berlin, stammen aber aus dem Nordwesten Deutschlands. Mit 44 beziehungsweise 48 Jahren sind beide in den 70er-Jahren geboren. Und beiden Wissenschaftlern geht es, wenn sie mit Laien über ihr Fachgebiet reden, nicht nur ums detailhafte Erklären, sondern auch darum, die Kompetenz ihres Gegenübers zu fördern. 

Das hat die Jury des hierzulande bedeutendsten Preises für Wissenschaftskommunikation offenbar überzeugt. Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am Montag mitteilte, gibt es 2020 nicht nur einen regulären Preis, für Arlinghaus, sondern einmalig auch einen Sonderpreis – für Christian Drosten. Die Auszeichnungen sind jeweils mit 50.000 Euro dotiert.

Robert Arlinghaus (44) ist Experte für integratives Fischereimanagement. Für sein vielseitiges Engagement in der Wissenschaftskommunikation erhält er den Communicator-Preis 2020.
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Christian Drosten, der in der Corona-Krise als sogenannter Chefvirologe der Charité bundesweit bekannt wurde, erhält einen Sonderpreis für herausragende Kommunikation der Wissenschaft in der Covid-19-Pandemie. Drosten erkläre den Menschen auf anschauliche, transparente und faktenbasierte Weise, was die Wissenschaft wisse, wie sie arbeite und welche Unsicherheiten bestünden, lobt die DFG.

Darüber hinaus kommuniziere er die Grenzen seines eigenen Wissens und weise immer wieder darauf hin, dass zur Wissenschaft auch gehöre, diese Grenzen ständig neu auszuloten und vermeintliche Gewissheiten zu revidieren. Seine Kommunikation zeige exemplarisch, welchen Beitrag die Wissenschaft für Politik und Gesellschaft durch gute Kommunikation auch im akuten Fall einer Krise leisten kann.

Der Sozialökologe und Fischereiwissenschaftler Robert Arlinghaus bekommt die Auszeichnung für sein vielseitiges Engagement in der Wissenschaftskommunikation. Ihm gelinge es, ein scheinbares Spezialthema wie die Angelfischerei mit den gesellschaftlich relevanten Fragen der Nachhaltigkeit, des Umweltschutzes und des verantwortlichen Umgangs mit der Natur zu verknüpfen, heißt es in der Begründung.

Arlinghaus hat mit seiner Arbeit zeigen können, dass die Freizeitfischerei die wichtigste Fischereiform in Binnengewässern aller Industrienationen ist. Mit seinem Team untersucht er die ökologischen Wirkungen der Angelfischerei auf Fischbestände und Gewässer. Sozial- und wirtschaftswissenschaftlich beschäftigt sich die Gruppe mit der Anglerpsychologie und mit ethischen Fragen. Für seine Vermittlung nutzt Robert Arlinghaus soziale Medien, Podcasts, Comics, Erklärfilme, Science Slams, Kolumnen, Vortragstourneen und gemeinsame Experimente mit Angelvereinen.

Auch wenn die beiden Wissenschaftler einiges gemeinsam haben, verbringen sie ihre Freizeit offenbar recht unterschiedlich. Robert Arlinghaus, Vater von zwei Kindern im Alter von 7 und 5 Jahren, wohnt in Berlin-Karlshorst und geht überwiegend – wie kann es anders sein - Angeln. Christian Drosten, Vater eines Kindes im Kita-Alter, wohnt in Prenzlauer Berg und hat in seinem NDR-Podcast Corona update erzählt, dass er regelmäßig Joggen geht.  

Für die Verleihung der Communicator-Preise müssen die beiden Wissenschaftler nicht weit reisen: Sie soll am 30. Juni in Berlin stattfinden. So ist zumindest die derzeitige Planung.