BerlinZum ersten Mal seit der Einführung des Ampelsystems zur Bewertung der Corona-Lage in Berlin ist der Warnwert für Intensivbetten überschritten worden: 25,3 Prozent der Betten waren mit Covid-19-Patienten belegt. Das geht aus dem am Sonntag wegen technischer Probleme verspätet veröffentlichten Lagebericht der Senatsverwaltung für Gesundheit für Sonnabend hervor. In Berlin standen somit kurzzeitig zwei von drei Corona-Ampeln auf Rot, am Sonntag fiel der Wert wieder auf 24,2 Prozent. Unverändert Rot zeigt auch die Ampel für die Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Am Samstag lag er bei 200,9 (Sonntag: 202,0)– also weit über der kritischen Schwelle von 50.

Handlungsbedarf für den Senat

Wenn zwei Ampeln auf Rot stehen, bedeutet das für den Senat Handlungsbedarf. Als dieser Fall erstmals Anfang Oktober eingetreten war – damals überschritten der Inzidenwert und der sogenannte R-Wert die Grenze –, verhängte der Senat eine Sperrstunde für die Gastronomie. Seit Sonntag gelten bereits neue Kontaktbeschränkungen, vergangene Woche verkündete der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) zudem, dass in Berlin auch an Weihnachten und Silvester nur fünf Personen zusammenkommen dürfen – im restlichen Deutschland sind zehn Personen erlaubt. Müller begründete die Entscheidung mit den hohen Zahlen in Berlin.

Dass die Krankenhäuser jetzt in Bezug auf die Auslastung der Intensivbetten an ihre Grenzen kommen, ist auch eine Folge dieser seit Wochen anhaltend hohen Infektionszahlen. Ein Blick in das Intensivregister, das die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut führt, zeigt: Derzeit haben mehrere Berliner Kliniken gemeldet, dass ihre Bettenkapazität im intensivmedizinischen Bereich ausgelastet ist, unter anderem das DRK Westend, außerdem das Auguste-Viktoria-Klinikum und das Humboldt-Klinikum, zwei Vivantes-Kliniken, die zu den sogenannten Level-2-Kliniken in Berlin gehören. Level-2-Kliniken müssen eine bestimmte Zahl von Intensivbetten für Covid-Patienten bereithalten, die auch aus anderen Häusern dorthin verlegt werden.

„Beide Häuser sind mit intensivpflichtigen Covid-Patienten derzeit so stark ausgelastet, dass keine weiteren Verlegungen von intensivpflichtigen Covid-Patienten aus anderen Häusern möglich sind“, teilte eine Vivantes-Sprecherin mit. Auch der Nicht-Covid-Bereich der Intensivstationen sei derzeit stark ausgelastet. Mit dem Aufnahmestopp soll gewährleistet werden, dass bei Bedarf weiterhin Patienten aus dem Haus oder aus der Rettungsstelle auf die Intensivstation verlegt werden können. Die Rettungsstellen, so die Sprecherin, sind bisher nicht geschlossen.

Für das Vivantes-Klinikum Neukölln allerdings werde derzeit erwogen, die Rettungsstellen vom Notfallsystem abzumelden. Krankenwagen würden das Haus dann nicht mehr anfahren. Grund für die angespannte Lage ist nicht nur das hohe Patientenaufkommen, sondern auch der Krankenstand unter den Pflegekräften, von denen immer mehr entweder selbst krank oder in Quarantäne sind.

Rettungsstelle in Lankwitz vorübergehend vom Netz genommen

Die Vivantes-Kliniken behandeln, zusammen mit der Charité, den Großteil der Berliner Corona-Patienten, rund 70 Prozent der Fälle landen hier.

Am Donnerstag hatte bereits das St. Marien-Krankenhaus in Lankwitz Alarm geschlagen und seine Rettungsstelle über das Wochenende vom Netz genommen.

Das Caritas-Klinikum in Pankow, auch ein Level-2-Krankenhaus, hingegen bewertet die Lage derzeit als „herausfordernd, aber händelbar“. Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn steht im Divi-Register auf Grün. Dort sei man auf Notfallmedizin spezialisiert, so ein Sprecher, dementsprechend könne man gut mit der derzeitigen Situation umgehen.

Die Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) appellierte am Sonntag via Twitter an die Berliner: „Ersparen Sie bitte den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern die Überlastung. Deshalb ist es Gebot der Stunde, auf jeden Kontakt zu verzichten, der nicht zwingend erforderlich ist! Tragen Sie am besten überall eine Maske! Halten Sie Abstand!“

Insgesamt haben sich in Berlin seit Beginn der Pandemie 63.888 Menschen mit Covid-19 infiziert, 41.421 Menschen gelten davon als genesen – 659 mehr als am Freitag. 550 Menschen starben.