Ab Montag ist in Berlin das Tragen eines Mundschutzes in Bussen und Bahnen Pflicht.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinAb Montag gilt in Berlin eine Maskenpflicht – zumindest in Bussen und Bahnen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Doch wegen der hohen Nachfrage sind derzeit kaum oder nur vereinzelt Masken zu bekommen. Und wenn man welche kaufen kann, sind sie meist unverschämt teuer. In einem Späti in Neukölln werden einfache Stoffmasken für 17 Euro angeboten. Viele nähen sich daher ihren eigenen Mundschutz.

Doch wie sinnvoll ist es überhaupt, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen und welche Unterschiede gibt es? Reicht nicht auch ein einfacher Schal?

Vorneweg muss klar gesagt werden: Die Masken bringen kaum etwas für den eigenen Schutz. Aber sie vermindern das Risiko, andere Menschen anzustecken.

Kann ein Stück Stoff zum Schutz beitragen?

Ein Tuch oder Vlies kann verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Die Viren sind zwar winzig, nur 60 bis 140 millionstel Millimeter groß, aber sie sind nicht gern allein unterwegs. Sie hängen sich an andere Viren oder Sekret und werden dann zu Tröpfchen. Und für Tröpfchen sind Gitter, in Form von Stoffen, ein fast undurchdringliches Hindernis. Dies gilt selbst für sogenannte Aerosole, kleine, feine Schwebeteilchen in einem Gas.

Beim Sprechen, Husten oder Niesen setzen wir Tröpfchen frei. Ein Stück Stoff vor dem Mund könne die großen Tröpfchen abgefangen, sagt der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten im Podcast beim NDR. „Je näher dran an der Quelle, desto besser. Deswegen muss die Maske an der Quelle sein und nicht am Empfänger.“

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt ebenfalls das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, um das Risiko einer Übertragung der Erreger auf andere Menschen zu verringern. Gleichzeitig warnt das RKI eindringlich davor, die wichtigsten Maßnahmen gegen die Verbreitung des Erregers zu vernachlässigen: Abstand halten, regelmäßiges gründliches Händewaschen, Husten und Niesen in die Armbeuge.

Als weiterer Vorteil von einem Mundschutz gilt, dass man sich weniger mit - möglicherweise kontaminierten - Fingern an Mund oder Nase berührt. So könnte man Schmierinfektionen vorbeugen.

Selbst ein einfaches Tuch oder ein Schal vor Mund und Nase kann also dazu beitragen, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Auch Mikrofasertücher, nasse Tücher oder selbstgenähte Mund-Nasen-Schutze sind geeignet.

Wodurch unterscheiden sich professionelle FFP-Masken?

Schutz vor einer Ansteckung für gesunde Menschen bieten nur spezielle Masken, sogenannte FFP-Masken. Das Kürzel steht für „Filtering Face Piece“. Die Masken bestehen aus gehärtetem, mehrlagigen Papier oder Stoffen und haben Filter. Sie liegen eng an den Wangen an und sitzen mit etwas Abstand über Mund und Nase. 

Ein junger Mann trägt eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP3.
Foto: dpa/Christoph Schmidt

Es gibt diese Masken in drei Schutzklassen – FFP1, FFP2 und FFP3. Die Maske der niedrigsten Klasse FFP1 schützt vor allem vor ungiftigen Stäuben. Die Maske der Klasse FFP2 ist geeignet zum Schutz vor gesundheitsschädlichen festen und flüssigen Stäuben, Rauch und Aerosolen. Sie bietet zudem Schutz vor Infektionserregern, die über die Luft übertragen werden. Die Maske der Klasse FFP3 wird für den Umgang mit krebserregenden Stoffen und Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzsporen empfohlen.

Wichtig bei FFP-Masken ist, sie richtig anzulegen und ausreichend oft zu wechseln. Sie müssen eng am Gesicht anliegen, dadurch fällt das Luftholen schwer. Diese Masken haben meistens ein Ventil, um das Ein- und Ausatmen zu erleichtern. Der Nachteil: Durch das Ventil kann der Maskenträger sein Umfeld mit ausgeatmeten Tröpfchen kontaminieren. Bei FFP-Masken ohne Ventil ist dies nicht der Fall.

Nur Atemschutzmasken mit Schutzklasse FFP2 oder FFP3 sind für medizinisches Personal im Umgang mit dem Coronavirus zertifiziert. Da diese Masken teuer und momentan eher Mangelware sind, sollten sie hauptsächlich von den Menschen getragen werden, die sie für ihre tägliche Arbeit brauchen.

Was gibt es bei einfachen Stoffmasken zu beachten?

Ein Mund-Nasen-Schutz ist generell nur dann wirksam, wenn er korrekt angelegt wird. Vor dem Aufsetzen der Maske sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt werden. Die Maske muss Mund und Nase vollständig abdecken. Und auch beim Abnehmen ist darauf zu achten, dass sich kein Sekret an den Händen verteilt.

Für selbstgenähte Masken eignet sich am besten Baumwolle. Der Stoff ist luftdurchlässig, das Atmen fällt nicht so schwer. Wichtig ist, dass der Stoff eng gewebt ist, damit die Tröpfchen nicht durchkommen.

Der Mund-Nasen-Schutz sollte regelmäßig gewechselt und gewaschen werden. Am besten bei 60 Grad und mit einem Vollwaschmittel. Und es ist wichtig, dass die Maske nach dem Waschen vollständig trocknet. Wenn sie einen Riss hat oder anderweitig beschädigt ist, ist sie leider nicht mehr brauchbar.

Der Virologe Christian Drosten vermutet, dass das Virus bei 70 Grad seine infektiösen Eigenschaften verliert. Masken aus Vlies oder Baumwolle könnten demnach auch im Backofen desinfiziert werden. Dazu sollen sie mindestens 30 Minuten der Hitze ausgesetzt sein. FFP-2- oder FFP-3-Masken lassen sich allerdings nicht im Backofen desinfizieren. Die hohen Temperaturen könnten das Material der Masken zerstören.

Auf Twitter wies Drosten darauf hin, dass Behelfsmasken aus Stoff auch durch Bügeln desinfiziert werden könnten. Die Anzahl aktiver Coronaviren ließe sich durch die Hitze – dabei das Bügeleisen ruhig auf 165 Grad Celsius erhitzen - minimieren. Nahtstellen, Knickfalten und der Saum müssten stark und lange den hohen Temperaturen ausgesetzt werden, damit der gewünschte Effekt eintritt.

Zusammengefasst gesagt: Ein Mund-Nasen-Schutz hilft meist nicht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Nur professionelle Masken der Klassen FFP2 und FFP3 können vor den Viren schützen. Sie bestehen aus speziellem Material und müssen oft gewechselt werden. Da diese Masken sehr dicht am Gesicht anliegen, fällt das Atmen schwer. Sie haben daher meist ein Ventil. Masken mit Ventil eignen sich nicht zum Schutz für das Umfeld, da die ausgeatmeten Tröpfchen ins Freie entweichen können.

Ein Tuch, Schal oder eine selbstgenähte Maske vor Mund und Nase kann helfen, andere Menschen zu schützen und die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Zu beachten ist, dass die Maske richtig aufgesetzt wird, vollständig Mund und Nase bedeckt und regelmäßig richtig gereinigt wird. (mit dpa)