Die Gesellschaft diskutiert darüber, ob sich die Menschen endlich mal wieder locker machen, sprich: den Corona-Lockdown nach und nach aufheben können. Währenddessen naht ein Tag, der in den Debatten wohl völlig untergehen wird: der Internationale Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai. Dennoch gibt es zwischen ihm und Corona einen Zusammenhang.

Verkitschter, selbst­be­zo­gener Blick

Der Mensch konzentriert sich gerne auf die eigene Art. Mit Biodiversität können die meisten von uns nichts anfangen, es sei denn, die eigenen Nahrungsquellen sind bedroht oder eine Krankheit könnte überspringen. Wenn die Wiese vor dem Haus verschwindet, dann bedauert man, dass man kaum noch Vögel, Bienen und Schmetterlinge sieht. Wenn das Feuchtgebiet austrocknet, dann kommen plötzlich die Störche nicht mehr, die immer so malerisch im Nest auf dem Dach brüteten.

Unser Blick auf die Natur ist oft selbstbezogen und leicht verkitscht. Doch wir müssen den Blick weiten. Denn wir Menschen bilden mit allen Tier- und Pflanzenarten um uns her eine Einheit, auch mit der ungeliebten fetten Kröte und unzähligen Tieren, die wir gar nicht sehen. Und wenn Naturschützer vorhersagen, dass in den nächsten Jahrzehnten eine Million Arten verschwindet, dann geht es uns ganz persönlich an. Unsere eigenen Lebensgrundlagen hängen davon ab, dass die Ökosysteme funktionieren.

Lebensräume schrumpfen

Diese sind überall gefährdet: durch Waldrodungen, Überfischungen, Verschmutzungen, das Wachstum der Städte, die intensive Landwirtschaft und den Klimawandel. Wo Lebensräume für andere Arten schrumpfen oder eine nicht artgerechte Massentierhaltung stattfindet, drohen auch weitere Krankheitserreger – so wie Sars-CoV-2 – vom Tier auf den Menschen überzuspringen, egal auf welchem Weg. Daraus muss nicht gleich eine Pandemie entstehen. Aber möglich ist es. Dagegen sollten wir etwas tun.